Anwar Ibrahim spricht über das "Diktat des Gewissens"

Anwar Ibrahim - Making Democracy Real: Malaysischer Oppositionsführer Anwar Ibrahim bei der Konferenz "Demokratie wahr werden lassen" (Foto: Shradha Narayanan)Anwar Ibrahim - Making Democracy Real: Malaysischer Oppositionsführer Anwar Ibrahim bei der Konferenz "Demokratie wahr werden lassen" (Foto: Shradha Narayanan)Asia Plateau, Panchgani, 11. Januar 2012

Nur wenige Tage nach seiner Freisprechung von Vorwürfen der Sodomie, sprach der ehemalige stellvertretende Premierminister Malaysias, Dato’ Seri Anwar bin Ibrahim, über die Bedeutung des Gewissens in der Politik. Er ging davon aus, dass das, "was politisch richtig ist, moralisch nicht falsch sein kann und was moralisch richtig ist, politisch nicht falsch sein kann." Er sagte ausserdem. dass ein Mensch ohne moralische Grundlagen nicht kämpfen könne.

Die Rede wurde im Rahmen der Dialogreihe "Demokratie wahr werden lassen" gehalten, die von Initiatives of Change Indien organisiert und in Asia Plateau/Panchgani stattfand. Weitere Hauptredner der Konferenz waren ausserdem die burmanesische Demokratieaktivistin Aung San Suu Kyi, Dr. Riek Machar Teny, Vizepräsident des Südsudan und ägyptische "Revolutionäre" des Arabischen Frühlings.

Anwar bin Ibrahim sprach darüber, wie ihn sein erster Besuch in Asia Plateau vor 40 Jahren als Studentenfüher motivierte, "an sein Gewissen, moralische Werte, Herz und den Geist zu appelieren". Er sagte, er hätte sich in seiner Funktion als Regierungsminister immer darum bemüht, seinen Kindern nicht denselben privilegierten Lebensstil zukommen zu lassen, an den andere Ministerkinder gewohnt waren. Stattdessen hätten sie die Koranschule seines Stadtviertels besucht.  Er berichtete, wie ihm sechs Jahre Einzelhaft im Gefängnis die Chance gegeben hätten, zu lesen und tief nachzudenken, wofür er dankbar sei. Nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis war sein erstes Statement: "Lasst uns nach vorne sehen" und er vergab öffentlich dem Generalpolizeiinspektor, der ihn geschlagen hatte.

 

Datuk Seri Wan Azizah Wan Ismail, die Frau des ehemaligen stellvertretenden Premierministers, war ein weiteres Beispiel für Stärke. Als Antwort auf eine Frage aus dem Publikum sagte sie, sie hätte es geschafft, diese Zeit zu bestehen, da sie "nur eine Mutter" gewesen sei und um ihrer Kinder Willen stark sein musste. Sie sei immer dankbar für deren Gesundheit und Bildung gewesen.

Anwar Ibrahim - Datuk Seri Wan Azizah Wan Ismail: Anwar Ibrahim und seine Frau, Datuk Seri Wan Azizah Wan Ismail (Foto: Shradha Narayanan)Anwar Ibrahim - Datuk Seri Wan Azizah Wan Ismail: Anwar Ibrahim und seine Frau, Datuk Seri Wan Azizah Wan Ismail (Foto: Shradha Narayanan)Dato’ Seri Anwar sprach auch über das Gewissen und ein Versagen des Gewissens überall auf der Welt. Er befasste sich vor allem mit dem Unterschied zwischen idealer und tatsächlicher Demokratie, wobei er sich sowohl auf den Arabischen Frühling und die Auswirkungen, die dieser im hauptsächlich muslimischen Malaysia hatte, als auch auf die Bewegung von "Besetzt die Wall Street" bezog, die er als Zynismus gegenüber dem aktuellen demokratisch-kapitalistischen Modell charakterisiere und dem es an moralischen Werten fehle. Er lobte Mahatma Gandhi, vor allem die Schlichtheit seiner Botschaft und die Tatsache, dass er sich durch kraftvolle Hoffnung und Aufrichtigkeit an die Schwächsten der Gesellschaft wandte.

Er ging wiederholt darauf ein, was das "Diktat des Gewissens" von uns verlange. Mitgefühl sei wichtig, sagte er, vor allem bei wirtschaftlichen Faktoren, wo das Versprechen nach Wachstum durch die Verpflichtung, sich um diejenigen zu kümmern, die weniger haben und durch das Sichvergegenwärtigen, dass sie individuelle notleidende Familien seine und nicht nur einfache Zahlen, ausbalanciert werden müsse. Mehr noch als Vertrauen seien Politiker dazu verpflichtet, den Menschen ihre Treue und Unterstützung dadurch zurückzuzahlen, indem sie den Vertrag, den sie mit ihnen abgeschlossen haben, einhielten. Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Vergebung, so wie auch Anwar seinem Angreifer vergab. Trotzdem sollte Ungerechtigkeit nicht vergessen werden, sonst könnte sie wieder und wieder geschehne. Anwar unterstrich auch seine Ansicht, dass Politik, angetrieben vom Gewissen, höflich sein einen freien Ideenaustausch beinhalten müsse. Um diese Art von Politik zu ermöglichen, müssten die demokratischen Nationen "Männer von grösserem Format" schaffen.