Burma 'nur einen Schritt' von der Demokratie entfernt - Aung San Suu Kyi

Die fünftägige Dialogreihe  Making Democracy Real (Demokratie wahr werden lsasen) (8.-12. Januar 2012), die im IofC-Konferenzzentru, Asia Plateau/Panchgani stattfand, wurde am Sonntag, den 8. Januar mit einer Videobotschaft von  Aung San Suu Kyi, Burmas führender Demokratie-Aktivistin eröffnet.

Suu Kyi sagte, ihr Land sei "kurz vor einem Durchbruch" auf seiner Suche nach Demokratie. "Wenn die Menschen eines Landes ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen können, ist das etwas Grossartiges." Trotzdem, so warnte sie, gäbe es durchaus noch den "Weg zurück" im Prozess der Demokratisierung. "Man kann immer jederzeit wieder umdrehen." 

"Demokratie hat etwas mit der Gesellschaft zu tun, nicht mit der Regierung.", führte sie weiter aus. "Darum müssen wir die verschiedensten Schritte in sämtliche Richtungen unternehmen, politisch, sozial, im Bereich Bildung. Und natürlich müssen die Zivilbevölkerung und auch die internationale Gemeinschaft mit einbezogen werden." Sie sagte weiterhin: "Der Weg zur Demokratie ist nie zu Ende. Sobald die politische Demokratie erreicht wird, muss man soziale Demokratie schaffen. Es ist in Wirklichkeit wie eine Wanderung, bei der man auf mehrere Türen gleichzeitig zugeht." Burmas lange Jahre unter einem Militärregime, so Suu Kyi, seien das Resultat der Schwachheit des ganzen Landes gewesen.  "Wir brauchen Unabhängigkeit von unserer eigenen Schwachheit."

Auch in ihren weiteren Ausführungen behielt die Nobel-Preisträgerin die Idee des ständigen Fortschreitens bei und unterstrich die Bedeutung von Verantwortungen und Pflichten. "Wenn Menschen an den Demokratisierungsprozess in Burma denken, denken sie an die Rechte, die sie damit erhalten werden, aber nicht an die Verantwortung, der sie sich damit stellen müssen. Ich würde es daher sehr schätzen, wenn Sie sich in diesem Dialog der Demokratie sowohl auf die Verantwortung als auch auf die Rechte konzentrieren könnten.

Rajmohan Gandhi, General Joseph Lagu und Wadiaa Khoury bei der Eröffnung der Konferenz "Demokratie wahr werden lassen" (von links nach rechts)Rajmohan Gandhi, General Joseph Lagu und Wadiaa Khoury bei der Eröffnung der Konferenz "Demokratie wahr werden lassen" (von links nach rechts)Wie entwickeln wir einen Sinn für demokratische Verantwortung? Wo setzt man an?...Ich glaube, dass der Anfang in der Familie ist. Von der Familie ausgehend  und in die Gesellschaft übergreifend sollten wir verstehend, dass Demokratie nicht nur Rechte mit sich bringt, sondern auch Verantwortung."

 Die burmanesische Führerin würdigte auch Mahatma Gandhi und nannte ihn den "Vater der gewaltlosen Politik" und ein Vorbild für Burma. Sie brachte ihre grosse Bewunderung für seinen gesunden Menschenverstand zum Ausdruck und stellte fast, dass viele es zwar bevorzugen, ihn als weise zu bezeichnen, es jedoch in der Politik am wichtigsten sei, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen. Sie rief seine Erben - und sie meinte damit nicht nur seine Familie, sondern auch all diejenigen, die an Demokratie und Gewaltlosigkeit glauben - dazu auf, Burma zu helfen, dem richtigen Weg in die richtige Richtung zu folgen.

Aung San Suu Kyis Worte kamen bei den Konferenzteilnehmern gut an und die Ankündigung, sie werde eine Videobotschaft geben, rief Ausrufe des Erstaunens beim Publikum hervor. Es war eine ermutigende Eröffnung für die Veranstaltung, die im Anschluss daran vier Tage lang abgehalten wurde. Die Dialogreihe wurde von Initiatives of Change India und dem IC-Zentrum für Leiterschaft organisiert.

Im Anschluss an Aung San Suu Kyis Botschaft folgten viele Ansprachen und Willkommensworte, die von Rednern unterschiedlicher Herkunft gehalten wurden. Unter ihnen war IofC-Präsidentin Omnia Marzouk, der Enkel Mahatma Gandhis, Rajmohan Gandhi, und der renommierte südsudanesische Veteran General Joseph Lagu, der in seinem Land als Vaterfigur angesehen wird.

Rajmohan Gandhi begrüsst den südsudanesischen Vizepräsidenten Dr. Riek Machar Teny und Mitglieder der südsudanesischen DelegationRajmohan Gandhi begrüsst den südsudanesischen Vizepräsidenten Dr. Riek Machar Teny und Mitglieder der südsudanesischen Delegation

General Lagu sprach von seiner Freude, die jüngste Demokratie der Welt, den Südsudan, im der weltgrössten Demokratie Indien zu vertreten.

Die Dialogreihe möchte Teilnehmer mit praktischen Erfahrung in der Demokratie und Aktivisten aus der ganzen Welt, sowohl aus der Regierungs- und Nichtregierungsebene, zusammenbringen. Sie sollen Erfahrungen und Praktiken austauschen können in der Hoffnung, dass alle Teilnehmer voneinander lernen können und anschliessend mit klargesteckten Plänen in ihre Heimatland zurückkehren, um wahre Demokratie umzusetzen.

Delegationen aus über 30 Ländern waren vertreten. Die grösste Delegation kam aus dem neugegründeten Staat Südsudan, dessen Vizepräsident, H.E. Dr. Riek Machar Teny am Montag Morgen die Hauptansprache hielt.

Der Konferenzbericht vom 2. Tag kann hier hier eingesehen werden.

Abschrift der Ansprache von Aung San Suu Kyi:  Download hier

Abschrift der Eröffnungsrede von Professor Rajmohan Gandhi: Download hier >> Das Video seiner Rede kann hier eingesehen werden.