Australien: Die "Gestohlene Generation" und der "Nationale Tag der Heilung"

Australien: Die Gestohlene Generation und ein "Nationaler Tag der Heilung"

Der ehemalige Generalgouverneur von Australien Sir Zelman Cowen überreicht das Entschuldigungsbuch, das er soeben unterzeichnet hat, Melissa Brickell, einer Vertreterin der Gestohlenen Generation

1997 befand sich die australische Öffentlichkeit durch die Veröffentlichung eines offiziellen Berichts über die "Gestohlene Generation" unter Schock: Von den 1930er bis in die 1970er Jahre waren zehntausende von Aboriginalkindern ihren Eltern unter Zwang weg genommen und in Institutionen gesteckt worden, deren Ziel es war, sie gemäss der westlichen und nicht ihrer eigenen Aboriginalkultur zu erziehen. Ihrer Kultur beraubt und von ihren Familien, ihrem Land und ihren Gemeinschaften getrennt wurden mehrere Generationen von Kindern traumatisiert. Viele wurden ausserdem körperlich und sexuell missbraucht. Diese Politik hinterliess ein Erbe von gebrochenen Menschen, die sich nur schwer in die Gesellschaft integrieren konnten.

Obwohl der Bericht von der Regierung unter Premierminister Paul Keating angefordert worden war, brauchte es Zeit bis zu seiner Veröffentlichung und in der Zwischenzeit war eine neue Regierung unter John Howard an der Macht. Die neue Regierung versuchte den Bericht herunterzuspielen und lehnte es ab, seine Empfehlungen, es müsste eine offizielle nationale Entschuldigung geben, ab.

Daraufhin entwickelte sich von unten her eine Bewegung, angeführt von verschiedenen Organisationen, unter denen sich auf Initiatives of Change befand. Um jedem die Gelegenheit zu geben, die Beziehungen zwischen eingeborenen Australiern und Australiern anderer Herkunft wieder herzustellen, wurde 1998 ein Nationaler Tag der Entschuldigung organisiert. In Gemeindem im ganzen Land schrieben eine Million Menschen persönliche Botschaften in "Entschuldigungsbücher", die der Gestohlenen Generation überreicht wurden. Alle Staatsregierungen organisierten Veranstaltungen in ihren Parlamenten, wo sie Aboriginalabgeordneten zuhörten und sich entschuldigten. Zwei Jahre später marschierten zwei Millionen Menschen über die Sydney Harbour Bridge. Ähnliche Märsche an anderen Orten im Land wurden abgehalten, um das zu feiern, was ein jährlicher Tag der Entschuldigung geworden war.

2007 wurde die Howard-Regierung abgewählt. Der erste offizielle Akt des neuen Parlaments war eine offizielle Entschuldigung von Premierminister Kevin Rudd an die Gestohlene Generation, die auch von der Oppositionspartei unterstützt wurde.

Weitere Informationen finden Sie im Buch No Enemy to Conquer von Michael Henderson.