1946-1947: Beitrag zur deutsch-französischen Versöhnung

1946-1947: Beitrag zur deutsch-französischen Versöhnung

v Irene Laure und der deutsche Gewerkschaftsführer Dr. Heinrach Strater in Caux(Foto: Arthur Strong)

"Wo sind die Deutschen? Wir können Europa ohne Deutschland nicht wieder aufbauen."

Niemand, der am 14. Juli 1946 im Konferenzzentrum von Initiatives of Change in  Caux/Schweiz dabei war, würde die Frage, die Frank Buchman, Begründer der Bewegung, nach dem Krieg seinen Freunden stellte, je vergessen. Der Hass auf alles Deutsche war vor allem in den Ländern, die unter dem Nazi-Terror in all seiner Grausamkeit gelitten hatten, immens.

Damals im Sommer 1946 kamen nur wenige Deutsche nach Caux. Nach Zusammenarbeit mit den alliierten Besatzungskräften dauerte es bis September 1947, bis ein Gruppe von 150 neuen deutschen Führungspersönlichkeiten an den Konferenzen teilnehmen konnten; Im darauffolgenden Jahr kamen 500, unter ihnen die Ministerpräsidenten fast aller deutschen Länder, Universitätsleiter, Anführer aus Industrie und Gewerkschaften und der zukünftige Kanzler Konrad Adenauer.

1948 waren internationale IofC-Teams im zerstörten Deutschland unterwegs. Mit den Worten von Paul Hoffman, dem amerikanischen Verwalter des Marshall-Plans war dies "das ideologische Gegenstück des Marshall-Plans". Später sprach der deutsche Bundeskanzler Adenauer über die "grossen und erfolgreichen Dienste", die IofC seinem Land erwiesen und die "unsichtbare, aber effektive Rolle", die sie hinter den Kulissen bei grossen internationalen Verhandlungen gespielt habe. Der französische Aussenminister Robert Schuman verlieh Buchman 1950 den Orden der Ehrenlegion für seinen "Beitrag zu einem besseren Verständnis zwischen Frankreich und Deutschland."

Unter den Franzosen, die in diesen frühen Jahren nach Caux kamen, befand sich auch Irene Laure, eine Widerstandskämpferin, die nach dem Krieg stellvertretende sozialistische Parteiführerin im Parlament war. Zuerst war sie von der Anwesenheit der Deutschen geschockt, doch dann erlebte sie eine innere Veränderung und bat sie öffentlich für ihren Hass um Vergebung. Sie trug danach ihre Botschaft der Vergebung durch Deutschland und arbeitete mit Teams von Initiatives of Change zusammen.

Die Rolle von IofC bei der deutsch-französischen Versöhnung wurden von Forschern des Zentrums für strategische und internationale Studien in Washington D.C. untersucht und unter dem Titel "Religion, The missing Dimension of Statecraft" (1994, Oxford University Press) veröffentlicht.