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Aiming to safeguard and nurture democracy through educating voters about issues of corruption
Kampagne für saubere Wahlen - Geschichte
1997 und 2002: Kampagne für saubere Wahlen

Geschichte: Kampagne für saubere Wahlen 2002

Die Rückmeldung nach den Wahlen von 1997 war voller Ermutigung, den Impuls ais der Kampagne aufrechtzuerhalten. Die Kampagnen-Mitglieder machten sich bereit, auf die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2002 vorzubereiten.

Dieses Mal traten viele andere Gruppierungen der CEC bei.  Das "Kenya Domestic Observation Programme" lud Kirchen, den Hindu Council of Kenya und den Supreme Council of Muslims ein, die Wahlen zu überwachen. Ein weiterer Partner war der kenianische Ableger von "Transparency International". 

An der Aktion - finanziert von der Europäischen Union - nahmen 20 000 Kenianer als Beobachter teil: ein Kenianer pro Wahlbüro. Dies trug dazu bei, Wahlmanipulationen grösstenteils zu reduzieren. Gesetzeslücken, wie bei den Wahlen 1997 beobachtet, wurden geschlossen. Dies wurde erreicht, indem man sich dafür einsetzte, die Stimmen in den Wahlbüros auszuzählen anstatt die Wahlurnen von einem Ort zum andern zu fahren, was die Möglichkeit, zu manipulieren, erhöht hätte. 

Das Team von IofC schaffte es, jede Gegend des Landes zu erreichen; Botschaften, die faire Wahlen hätten beeinflussen können, wurden von der CEC neutralisiert. Die CEC-Aktivisten verteilten 140 000 Flyer und sprachen bei zahllosen Gelegenheiten im Radio oder in Fernsehshows, Schulen und öffentlichen Versammlungen.

"CEC rief den Wähler dazu auf, zu versprechen, an keiner Gewalt oder Korruption teilzunehmen und korruptes Verhalten zu melden.", erklärte Rechtsanwalt Francis Kimani aus Nairobi in "For a Change" (April-Mai 2003). "Ich erinnere mich, wie eine Versammlung von über 3000 Menschen in der Christuskönig-Kathedrale von Nakuru begeistert reagierten, als Joseph Karanja von CEC 10 Minuten lang zu ihnen sprach. Die Menschen wurden vollkommen davon überzeugt, dass sie Dinge in Kenia verändern können."

Dieses Mal verlief die Clean Election Campaign sogar noch erfolgreicher. Die Macht der Korruption während der Wahlen war durchbrochen worden. Die Kenia-
Afrika-Nationalunion, die Partei, die seit der Unabhängigkeit an der Macht gewesen war, verlor die Wahlen genauso wie der vom ehemaligen Präsiden favorisierte Kandidat.

Eine neue Regierung wurde auf der Basis gewählt, dass sie Korruption bekämpfen würde. Obwohl es keine klare Abmachung gab, wie die Machtübergabe stattfinden sollte, wurde die Sache ein Erfolg. Die neue Regierung kündigte sofort vielen korrupten Beamten und Justizangestellten. Der Vorsitzende der kenianischen Abteilung von "Transparency International" wurde vom neuen Präsidenten dazu berufen, sein Antikorruptionsprogramm zu überwachen und durchzusetzen. Der Einsatz gegen Korruption ging auch nach den Wahlen noch weiter und einfache Kenianer nahmen ebenfalls daran teil.

Seit den Wahlen hat sich die "Clean Kenya Campaign" (ebenfalls von IofC ins Leben gerufen) im Land gut etabliert. Die Kampagne ruft Kenianer dazu auf, sich gegen Korruption zu stellen und hat bisher beachtliche Erfolg erzielt. In Presseberichten wird von einer wachsenden Anzahl von Fällen erzählt, in denen Zivilisten Polizisten dazu aufforderten, Schmiergelder zurück zu geben. Karanja sagte, dass die Menschen ihre Regierung jetzt zur Rede stellen, indem sie Fragen stellen.

"Das Land ist noch nicht ganz sauber, aber zumindest geschieht etwas. Wir werden nicht aufhören, bis die Aufgabe erledigt ist", kommentierte er. Durch die seit 1997 stattfindende Pionierarbeit in Kenia wurden Clean Election Campaigns inzwischen auch während der ersten demokratischen Wahlen seit dem Krieg in Sierra Leone und in Ghana durchgeführt. Mit Hilfe von CEC wurde 2003 eine "Clean Africa Campaign" ins Leben gerufen.

Kampagne für saubere Wahlen 1997

Als er vom Erfolg des Clean Election Campagin-Projekts 1992 in Taiwan hörte, versammelte Joseph Karanja zehn Freunde zu einer Wochenendkonferenz, um die Situation in Kenia genauer zu betrachten. Als Ergebnis beschlossen sie, die Kenianische Clean Election Campagin (CEC) im Vorfeld der nationalen Wahlen vom Dezember 1997 ins Leben zu rufen.

Er war davon überzeugt, dass es richtig sei, Korruption, Gewalt und Apathie, die ständige Begleiter während der Wahlen geworden waren, anzugehen. Sie beschlossen, durch die Art und Weise, in der Wahlen im Land angegangen wurden,  frühzeitig anzufangen. Die Regierung beauftragte normalerweise die Zentralbank, Geld zu drucken, um die Wahlen zu finanzieren - nicht für Aktionen, sondern für Schmiergelder, um Leute einzuschüchtern oder sie zu bestechen und so die Wahlen schon ein Jahr im Voraus in der Tasche zu haben.  Die Gruppe sprach zuerst religiöse Führer an. Sie sprachen sowohl mit den führenden Köpfen von Katholiken, Anglikanern und anderen Kirchen als auch mit den religiösen Führern der Moslems.

Drei Punkte wurden in diesen Gesprächen besondern angesprochen: 

  • Menschen bitten, sich dafür zu engagieren, keine Schmiergelder anzunehmen und für niemanden zu wählen, der mit Schmiergeldern arbeitet
  • Menschen ermutigen, Verantwortung für einen integeren Wahlvorgang in den Wahlkabinen zu übernehmen
  • Ehrliche Männer und Frauen zu ermutigen, sich für die Parlamentswahlen aufstellen zu lassen

Die religiösen Anführer sprachen dem ihre volle Unterstützung zu und ermutigten CEC-Sprecher, zu ihren Versammlungen zu sprechen, was CEC in den folgenden Monaten tat. Dies stellte sich als höchst effektiv heraus, um den einfachen Wähler zu erreichen, weil in Kenia an Gebetstagen die Kirchen immer voll sind. Eine Gruppe Geschäftsleute half, die Kampagne in der kenianischen Presse zu finanzieren und ein Drucker übernahm es, hundertausende von Broschüren kostenlos zu drucken.

Joseph Karanja, Lawyer and co-leader, Clean Election Campaign, Kenya.
Joseph Karanja, Rechtsanwahl und Mitleiter der Clean Election Campaign, Kenya.

Die 22 katholischen Bischöfe luden alle Kenianer ein, vor allem die 8 Millionen Katholiken, die Kampagne durch das Ausfüllen und Unterschreiben der "Wahlversprechen"-Formulare zu unterstützen. Das Versprechen, das Teil der Broschüren war, bestand aus den Zusagen, keine Schmiergelder zu akzeptieren, wenn möglich Schmiergeldern vorzubeugen und alles, was die Wahlergebnisse verzerren oder verfälschen könnte, bloss zu stellen und an keiner Form der Gewalt teilzunehmen. Alles in allem wurden über 700 000 Versprechensformulare ausgefüllt und eingesandt. Die Kampagnenbroschüren sprachen ausserdem 14 Qualitäten und Eigenschaften einer guten Führungspersönlichkeit an, alles nichtpolitische Eigenschaften, die als Hintergrund für eine Entscheidung bei den Wahlen dienten. Die Kampagne wurde sehr beliebt und entwickelte sich schnell zu einer nationalen Bewegung, an der sich viele der 33 Millionen Einwohner Kenias beteiligten.  Einfache Kenianer luden Kampagnen-leute zu sich nach Hause ein, um zu verschiedenen Gruppen über die Kampagne zu reden. Die Menschen beherbergten die Kampagnenaktivisten, wo immer sie hingingen. Das gesamte Land wurde mobilisiert, um die Kampagne zu unterstützen und gab somit jedem Kenianer die Möglichkeit, am Heilungsprozess des Landes teilzuhaben. Die Medien und andere Organisationen unterstützten die Kampagne ebenfalls. 

Für die Regierung war es schwierig, dagegen anzugehen, da sie sich nicht öffentlich gegen eine Kampagne stellen konnte, die Korruption bekämpfte. Sie bemühten sich, die Kampagne sehr positiv aussehen zu lassen. Sie versuchten nicht, eine bestimmte Partei oder Einzelpersonen zu beschuldigen, sondern forderten alle Anführer dazu auf, an keiner Korruption teilzunehmen. Die Apathie im Lande, ein Ergebnis des korrupten Systems, wurde durchbrochen. Die Kampagne ermutigte Menschen, gute Führungspersönlichkeiten ihrer Gegend anzusprechen, sich als Kandidaten zur Verfügung zu stellen. Und sie taten es. 30 Kandidaten, die sich ansonsten vermutlich ohne die Ermutigung Joseph Karanjas und seiner Kollegen auf Grund der offensichtlich korrupten Natur der Politik nicht für die Wahlen hätten aufstellen lassen, gewannen und wurden gewählt. Elf Regierungsmitglieder und 26 Deputy-Minister verloren ihre Sitze und Präsident Arap Mois Mehrheit im Parlament wurden reduziert. Einige Mitglieder seiner eigenen Partei waren nun nicht länger einfache Ja-Sager und seine diktatorische Macht wurden reduziert.