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Business nachhaltig und menschlich gestalten
Dienstag, November 12, 2013

Business nachhaltig und menschlich gestalten

Diskussion über Arbeiter mit Einsicht

Der zweite Tag der internationalen Konferenz von Caux Initiatives for Business (CIB) begann feierlich. Begleitet von Vogelgezwitscher sassen mehr als 50 Personen im Kreis um eine Lampe herum, um in ihrer eigenen Religion zu beten: Hinduisten, Muslime, Christen, tibetische Buddhisten und Zoroastrianer sangen Lieder, Gedichte und Hymnen in verschiedenen Sprachen, von Hindi und Bengali bis Suahili und Englisch.

Der Freitag war ausserdem Anreisetag weiterer Teilnehmer und Sprecher aus verschiedenen Teilen Indiens und dem Ausland. Die Konferenz, die alle zwei Jahre stattfindet, und unter dem Thema "Wirtschaftswachstum - Möglichkeiten der Nachhaltigkeit und Menschlichkeit angesichts von Herausforderungen" steht, wurde am Donnerstag in Asia Plateau eröffnet. Organisiert wird sie von Initiatives of Change (IofC) Indien und Japan.

Ein Gabe

Dr. Amit Mukherjee ‘Wo fangen wir an?" und das "Wie?" waren die Fragen, die bei der ersten offiziellen Veranstaltung von CIB 2013 besprochen wurden. "Wir sollten uns nicht schämen, wenn wir uns beugen und verbiegen müssen." - diese Textzeile eines Liedes, das am Vormittag vorgetragen wurde, sprach die Teilnehmer besonders an.

Bei der Moderation der Veranstaltung über innere Führung stellte Dr. Amit Mukherjee fest, "alle von uns wurden mit Gaben geboren oder haben Talente entwickelt, doch manche von uns sind beim Teilen dieser Gaben zurückhaltend." Die Teilnehmer nahmen sich in der Stille Zeit, darüber nachzudenken, bevor ein leises Murmeln den Saal erfüllte, als untereinander Gedanken ausgetauscht wurden.

David Bernard-StevensDer Orthopäde aus Jamshedpur/Indien sprach über seine eigene Erfahrung, als es darum ging, für Unehrlichkeit aus seiner Studentenzeit geradezustehen, nachdem er begonnen hatte, eine regelmässige Zeit der Stille zu praktizieren.

David Bernard-Stevens erinnerte sich, wie es war, als er anfing, sich auf seine zentralen Werte zu besinnen. Der ehemalige Senator, der trotz einer sehr "erfolgreichen" Karriere aus einer inneren Berufung heraus aus den USA weg nach Kenia zog, beschrieb, wie er dazu kam, sein Leben dafür einzusetzen, um zu dienen. 

"Ich entdecke meine Werte und meinen Sinn neu.", sagte der Vorsitzende von "Effective Change Consultants"/Nairobi und unterstrich gleichzeitig die Bedeutung einer "Zeit der Stille". "Wir empfinden mehr Zufriedenheit, Freude und Auswirkung, wenn wir das tun, von dem unser Herz weiss, dass es richtig ist.", erklärte er.

Mike Smith"Du kannst die Suche, den Suchschweinwerfer auf mich richten...Ich kann der Zukunft von heute an mutig ins Gesicht sehen." - eine berührende Aufführung des Liedes "Images" durch den AP-Chor  gab dem Publikum Gelegenheit, innezuhalten und nachzudenken.

Veränderung "sein"

Mike Smith, der Moderator der ersten Plenarsitzung, gab den Ton vor, als er sich auf Amartya Sens Aussagen von der Symbiose wirtschaftlichen Wachstums und dem Wachstum der daran Beteiligten bezog. Der Leiter der Business-Programme von IofC Grossbritannien zitierte aus dem neuesten Buch des Nobelpreisträgers "Eine unsicherer Ruhm", um die Bedeutung eines Wachstums der Beteiligten zu unterstreichen.

Entwicklung mit Gerechtigkeit

Anup Mujkerji, ehemaliger Leitender Sekretär von Bihar, beschrieb die Veränderung dieses Staates im östlichen Indien seit 2005. Der indische Beamte, der erst vor kurzem in Rente ging, sprach von seiner Überzeugung, sich im Bereich der Grundschulerziehung einzusetzen. "Es gibt gute Leute, die isoliert arbeiten. Wir müssen ein gutes Netzwerk aufbauen.", sagte er.

Anup Mukerji"Was den Untertanen zu Gute kommt, sollte des Königs Ziel sein.", zitierte Mukjeri aus Kautilyas Arthashastra, und erklärte damit den Hintergrund des Ansatzes von Premierminister Nitish Kumar. "In einer Demokratie sind es die gewählten Vertreter, die die Qualität der Regierungsführung bestimmen. Herr Kumar hat einen guten Führungsstil eingeführt.", fügte er hinzu. "Bihar ist jetzt ein relativ sicherer Ort und seine Infrastruktur verbessert sich. Der Zugang zu Bildung für die Armen, vor allem Mädchen, die Stärkung von Frauen, haben dazu beigetragen, einen Trend zu einem Wachstum durch Beteiligung zu schaffen."

Unternehmen von morgen

Einige der Punkte von Mukerji spiegelten sich in den Überlegungen von Mark Goyder wieder. Bei der Vorstellung seines neuen Buches "Living Tomorrow’s Company: Ultimately It’s about Relationships—Values and Purpose" (Das Unternehmen von morgen leben - Letztendlich geht es um Beziehungen- Werte und Ziele) sprach er über den Integrationsansatz für Erfolg im Geschäftsleben. "Wir können unsere Rolle als Aktionäre nicht von der des Bürgers treffen.", meinte der Gründer des Londoner Denkfabrik "Unternehmen von Morgen" und unterstrich gleichzeitig die Notwendigkeit für soziale Integrität im Wirtschaftswachstum.

Mark GoyderSeiner Meinung nach bedürften die meisten Probleme in einem Land keiner technischen Lösung. Er suche nach einem besseren Verständnis der Auswirkungen des wirtschaftlichen Prozesses auf das Gemeinwesen, das davon abhänge. Die Not der Stunde, so Goyder, sei ein "humaner Kapitalismus". "Das Opfer derer, die einem Unternehmen dienen, ist der Schlüssel für die Schaffung einer Wertekultur in der Geschäftswelt.", so der Schriftsteller. "In den vergangenen fünf Jahren haben wir festgestellt, dass es börsennotierten Unternehmen an Verantwortung der Eigentümer mangelt, während Familien, deren Schicksal mit ihrem Unternehmen verknüpft ist, eher dazu neigen, Verantwortung zu übernehmen und im Interesse ihrer Angestellten und der Gemeinschaften, die davon betroffen sind, handeln."

Sarosh GhandySarosh Ghandy, der das Vorwort des Buches geschrieben hat, übernahm die offizielle Buchvorstellung. Der Schriftsteller würdigte die Beteiligung von Anant Nadkarni, der sich im Publikum befand, und ermutigte ihn, selbst ein Buch zu schreiben.

Inspiriert durch Mahatma Gandhis Begriff des "trusteeship" (Treuhandverwaltung)  sprach Goyder über "stewardship" (Verwalteramt) als Denkansatz. Die wahre Berufung im Geschäftsleben sei es, an das Leben anderer zu denken, vor allem derjenigen, die unterpriviliegiert sind, so der Autor. Er fügte hinzu, Fortschritt könne von Menschen mit einer Vision erreicht werden, doch die Antworten seien nicht in technokratischen Lösungen zu finden, sonderm im menschlichen Geist.

Er bezog sich auf "niti" und "niyati" - der Inhalt und der Geist, der hinter allem steckt, was wir tun. Die Herausforderung liege darin, die richtige Balance zu finden. Er erzählte eine Geschichte, die er in dem Buch  "Das Land der rasenden Geister" gefunden hatte und sagte, die Beschreibung des Autors von der Ernte und wie alle zusammenkamen und gemeinsam die Reisernte feierten, hätten ihn berührt.

Dr. Eugene Sensenig-Dabbous"Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest." - Zum Abschluss der Veranstaltung wurde ein Lied vorgetragen, das die Botschaft Mahatma Gandhis verstärkte.

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