Top menu German

Fighters for Peace - Einsatz für den Frieden im Libanon
25 ehemalige Feinde im gemeinsam Kampf gegen Gewalt
Montag, Januar 16, 2017

Fighters for Peace

25 ehemalige Feinde im gemeinsam Kampf gegen Gewalt

Assaad Chaftari speaking to Lebanese students at a meeting hosted by Fighters for Peace

Assaad Chaftari im Gespräch mit libanesischen Studierenden bei einem Fighters for Peace-Event

Die 25 ehemaligen Kämpfer nennen sich "Fighters for Peace" (Kämpfer für den Frieden). Sie sind Muslime und Christen, gehören unterschiedlichen Fraktionenan und mochten jungen Libanesen helfen, "zu entdecken, was wir zu spät erkannt haben: die Tatsache, dass in einem Bürgerkrieg alle die Verlierer sind." Bei ihren Einsätzen sprehcen sie oft in Schulen, Universitäten und öffentlichen Veranstaltungen.

Vor sechs Jahren beschrieb die New York Times Assaad Chaftari als die einzige Schlüsselfigur des libanesischen Bürgerkrieges, die sich "wahrhaftig" für ihre Rolle bei den Gräueltaten im libanesischen Bürgerkrieg "entschuldigt" habe.

In seinem Buch "La vérité même si ma voix tremble (Die Wahrheit mit zitternder Stimme) beschreibt er das Event von Initiativen der Veränderung, das zu seiner Veränderung führte. "Ich hatte einen Revolver unter meinem Gürtel versteckt und draussen standen zwei Bodyguards." Nach einer kurzen Einführung sassen die Teilnehmendens still da und konzentrierten sich auf die "innere Stimme für die einen, die Stimme Gottes für die anderen und das Gewissen für Agnostiker". Er erkannte, dass er im Kampf für die Rechte der christliche-libanesischen Gemeinschaft vom den Dogmen des christlichen Glaubens weit abgedriftet war. "Alles, was ich sah, war ein blutgetränkter Weg."

Heute geht er seinen neuen Weg nicht alleine. 25 ehemalige Kämpfer verschiedener Fraktionen, Muslime und Christen haben sich ihm angeschlossen. Sie nennen sich "Fighters for Peace" und möchten jungen Libanesen helfen, "das zu sehen, was wir zu spät erkannt haben: die Tatsache, dass in einem Bürgerkrieg alle Verliere sind." Sie sprechen häufig in Schulen, Universitäten und bei öffentlichen Veranstaltungen.

Sie trafen sich 2012, als in der zweitgrössten libanesischen Stadt Tripoi Kämpfe ausbrachen. "Wir sahen, wie sich die verschiedenen Konfessionen auf gewaltsame Auseinandersetzungen vorbereiteten.", erklärte Haydar Ammacha. "Wir hatten furchtbare Angst, da wir wussten, dass genau so 1975 der Bürgerkrieg ausgebrochen war." Er war Mitglied einer Koalition aus verschiedenen Nichtregierungsorganisationen mit dem Namen "Einheit ist unsere Rettung", bei der andere ehemalige Kämpfer, darunter Assaad, mitarbeiteten.

Angesichts der gefährlichen Lage beriefen einige von ihnen eine Pressekonferenz ein. "Zum ersten Mal sprach ich öffentlich über meine Vergangenheit.", sagte Haydar. Dann gingen sie nach Tripoli, um sich mit den Gruppen, die in Konflikt standen, zu treffen. Ihre Einheit trotz ihrer unterschiedlichen Glaubensrichtungen zog das Interesse der Medien auf sich und der Libanon hörte über die ehemaligen Feinde, die sich jetzt gemeinsam gegen gewaltsame Konflikte einsetzen.

Nach und nach schlossen sich ihnen andere ehemalige Kämpfer an. Für jeden von ihnen bedeutete dies eine schmerzhafte Aufarbeitung ihrer Taten in dem 15-jährigen Krieg, bei dem 150 000 Menschen ums Leben gekommen waren. "Ich dachte an die Bomben, die ich abgeworfen hatte.", sagte Haydar. "Ich war der Miliz beigetreten, um mein Volk zu verteidigen, aber nach und nach wurde ich zu einem Kriminellen."

Eine solche Offenheit entsteht nicht von heute auf morgen. Wie viele ehemalige Kämpfer hat auch Fadi Nasreddine seine Vergangenheit vor seinen Kindern geheimgehalten. Aber die "mutige Ehrlichkeit und Menschlichkeit der Fighters for Peace hat mich davon überzeugt, dass Frieden im Libanon möglich ist." Er wusste, dass seine Söhne eines Tages vielleicht ebenfalls für eine bestimmte Sache zu den Waffen greifen würden. "Darum habe ich ihnen gestanden, dass ich früher Kämpfer war und ihnen von den Konsequenzen erzählt." Heute spricht er offen darüber.

Und Fighters for Peace hält nicht nur Reden. Sie gehen auf Menschen zu, die im Krieg Angehörige verloren haben und sprechen mit Flüchtlingen. Sie organisieren Sommer-Camps mit Syriern und Palästinensern. Dokumentarfilme über ihre Arbeit, die im libanesischen Fernsehen gezeigt wurden, inspirieren andere, ebenfalls aktiv zu werden.

In einer Stadt organisierten Schüler gemeinsam mit Fighters for Peace einen Friedensmarathon, an dem 400 Läufer und Läuferinnen teilnahmen. Letzten Monat kamen 100 junge Menschen in einer Halle im Stadtzentrum von Beirut zusammen, um ein Theaterstück über die 17 000 Menschen zu sehen, die im Bürgerkrieg verschwanden. Die Veranstaltung wurde von Fighters for Peace organisiert, die sich dafür einsetzen, Verschollene wiederzufinden und sie zum Begräbnis zu ihren Familien zu überführen.

Vor kurzem wurden sie von Forum von "Cities in Transition" kontaktiert, das sich für Frieden in 15 Städten einsetzen, die unter Konflikten zu leiden haben. Das Forum hat Tripoli in seine Liste aufgenommen und gibt Fighters for Peace damit die Möglichkeit, ihre Arbeit nicht nur im Libanon, sondern auch darüber hinaus auszubreiten.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Zeitschrift "Changemakers"/London.