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Wir können nicht alles ändern - aber ein bisschen auf jeden Fall!
Ein Kommentar von Olena Kashkarova
Donnerstag, Dezember 22, 2016

Wir können nicht alles ändern - aber ein bisschen auf jeden Fall!

Olena Kashkarova stammt aus der Ukraine und ist seit dem 1. Januar 2017 Mitglied des Internationalen IofC-Rates. Lesen Sie hier ihre Überlegungen zu den schrecklichen Video-Clips aus Aleppo in Syrien.

Lena Kashkarova

Wie vermutlich viele von Ihnen sehe ich mir die Nachrichten aus Aleppo an und fühle mich entsetzlich frustriert, verängstigt und hoffnungslos angesichts dieser enormen, von Menschenhand geschaffernen Katastrophe. Wenn etwas Furchtbares passiert, ist es wichtig für mich, mich vor diesem Gefühl der absoluten Hilflosigkeit zu schützen, weil mein Frust und meine Gefühle der Ohnmacht indirekt zu den Gräueln beitragen, die geschehen. Wenn ich keinen Weg finde, etwas zu verändern, weil das Problem unüberwindbar erscheint, verliere ich die Hoffnung und stecke in meinem Gefühl der Machtlosigkeit fest.

Es ist unendlich wichtig, sich bewusst zu machen, dass dies reine Fiktion und schlichtweg nicht wahr ist! Es GIBT etwas, das ich tun kann, auch wenn es noch so unwichtig erscheint. Niemand kann mir diese Stärke nehmen. Die Kraft, durch kleine Aktionen langanhaltende, positive Resultate zu erzielen. Da gibt es Spenden, Unterschriftenaktionen, die Teilnahme an Demonstrationen und andere ähnliche Aktionen. Ich habe die Auswirkungen dieser kleinen Handlungen in meinem eigenen Land gesehen und bin nach wie vor sehr gerührt, wenn ich daran denke.

Weitere Initiativen könnten beinhalten, dass wir auf Menschen zugehen und Möglichkeiten finden, unsere Gedanken und Gefühle auszudrücken. Wir könnten ausserdem andere ermutigen, ebenfalls über ihre Gefühle und Überlegungen zu sprechen. Wir leben in turbulenten und traumatisierenden Zeiten und es ist schwer zu glauben, dass diese weltweit stattfindenden Gräueltaten tatsächlich geschehen. Es macht Angst, sich vorzustellen, dass diese Ereignisse sehr wohl auch in jedem anderen Land stattfinden könnten. Wir Ukrainer sind uns dessen nur allzu wohl bewusst. Und wir müssen uns gegenseitig unterstützen und nach wie vor Wege finden, um nicht abgestumpft und vor Angst und Fassungslosigkeit gelähmt zu werden. Wenn wir keine Möglichkeit finden, an Stelle derjenigen zu handeln, die leiden (und auch für uns selbst), wer wird es dann tun?

Weitere Reaktionen auf diese unstabilen Zeiten könnten Beiträge zu einem notwendigen Systemwandel sein. IofC bemüht sich, sowohl auf persönlicher als auch systemischer Ebene zuarbeiten und befasst sich mit den Wurzeln von Konflikten. Dies inspiriert mich! Und es ist etwas, was ich in Zeiten der Katastrophe nicht vergessen möchte. Ich möchte mich daran erinnern, dass ich das, was ich mache tue, weil ich etwas verändern möche, das dieses Blutvergiessen beenden kann. Und ich möchte mich noch entschlossener für meine Arbeit mit IofC engagieren. Der Ruf nach Veränderung ist so stark wie nie zuvor und ich möchte all meine Ressourcen dafür einsetzen, mit IofC so positiv und effektiv wie möglich zu agieren.

Ich finde es so wichtig, mir dessen bewusst zu werden und mit anderen darüber zu sprechen. Einer meiner Kollegen hat erzählt, er fühle sich angesichts der aktuellen Situation wie betäubt. Ich möchte dieses Gefühl der Betäubung, das auch ich wie so viele andere verspüre, abwerfen. Daher schreibe ich Ihnen heute und darum möchte ich dies der gesamten IofC-Gemeinschaft weitergeben.

Wir können nicht alles verändern, aber etwas auf jeden Fall! Und für mich ist das schon genug. Es sind winzigkleine Aktionen, die die Welt verändern.

Olena Kashkarova ist russischer Herkunft und stammt aus der Ukraine. Sie lernte Initiativen der Veränderung 2001 durch das osteuropäische Programm "Foundations for Freedom"  kennen. Sie interessiert sich vor allem für Dialogarbeit mit dem Schwerpunkt Ukraine. Ihre Entschuldigung an Ukrainer war der Beginn für das Projekt "Die Vergangenheit heilen", das sich mit den Ursachen der Konflikte innerhalb der ukrainischen Gesellschaft befasst. Sie war als Aussöhnungsexpertin für das UN-Programm für Entwicklung tätig.

ANMERKUNG:  Menschen aus vielen Kulturen, unterschiedlicher Nationalität, Religion und Glaubensüberzeugungen arbeiten aktiv bei Initiativen der Veränderung mit. Dieser Kommentar bringt die Meinung des Verfassers und nicht notwendigerweise die Überzeugung von Initiativen der Veränderung als Ganzem zum Ausdruck.