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Women’s International League for Peace and Freedom’s 100th Anniversary Conference
Women’s International League for Peace and Freedom’s 100th Anniversary Conference

100 Jahre Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit - 2. Konferenztag

Donnerstag, 11. Juni 2015

100 Jahre Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit - Jubiläumskonferenz in Den Haag: 2 Konferenztag

Anlässlich des 100jährigen Jubliäums von IFFF führen Willemijn Lambert und Kate Monkhouse ihre Gedanken zu Frauen und Frieden fort.

Die heutige Eröffnungssitzung befasste sich mit Themen, die um Macht, den fortwährenden Gebrauch von Waffen und die Militarisierung von Konflikten kreisten. Die Diskussion beschäftigte sich mit der Frage, wie sich Waffen auf Frauen und Männer auswirken, welche Faktoren dem friedlichen Wandel von Konflikten entgegenwirken und wie wirtschaftliche Einflüsse auf lokaler Ebene getroffene Entscheidungen deformieren. Das Plenum hob hervor, wie wichtig die moralische Stimme der Zivilbevölkerung im Angesicht der von Staaten und Unternehmen getroffenen Entscheidung sei, Waffengebrauch auf Kosten der Sicherheit und des Wohlergehens der lokalen Bevölkerung den Vorrang zu geben. Wir hörten das leidenschaftliche Plädoyer und die Frustration zweier Rüstungsgegnerinnen aus Indien und Pakistan, die unablässig für bessere Umstände kämpfen: Warum die neue Technologie nicht dafür nutzen, um Schulbusse zu bauen und keine Panzer? Warum dem Drogenkrieg und den tödliche Tragödien aufgrund importierter Gewehre und Bomben nicht den Kampf ansagen?

Women’s International League for Peace and Freedom’s 100th Anniversary ConferenceDiese Diskussion enthielt bewegende Aussagen von Menschen, die sich dazu entschieden hatten, für eine bessere Welt zu arbeiten - so auch der Bericht eines männlichen Friedensaktivisten. Er berichtete von Männern, die, indem sie als Väter und Ehemänner während des Ersten Weltkrieges den Dienst an der Waffe verweigerten, ein persönliches Opfer für den Frieden gebracht hatten: Anstatt sich für den Tod ihrer Lieben im Genozid rächen zu wollen, beschritten sie den Weg zu einer friedlichen Lösung. Wir können besser die kulturellen Annahmen von der Erwartungshaltung an Männer verstehen, deren Verhalten darauf beschränkt wird, im Gegensatz zu Frauen der Straftäter oder Aggressor zu sein, sowohl in der Gesellschaft als auch zu Hause. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass persönliche Geschichten wichtig sind, um unsere Herzen weg von der Zerstörung zu einem Einsatz für den Frieden zu bewegen. In einem Kurzfilm fand sich das Zitat „Wandel benötigt einen Ansatzpunkt…einen Moment der Wahrheit“. Diese Wahrheit kann entweder die langjährige Erfahrung einer Gemeinschaft sein oder aber die notwendigen transparenten Daten und die Recherche für eine effektive Kampagne, die der Öffentlichkeit immer dann die Wahrheit präsentiert, wenn Verrat an der Menschlichkeit begangen wird.

In einer anderen Sitzung wurde die Wichtigkeit der eigenen Überzeugung angesprochen, um mit Wissen und Know-how für den Frieden zu arbeiten, damit der Beitrag von Frauen angesehen, willkommen geheißen und ernstgenommen wird. Es ist wichtig, gerecht zu argumentieren, wenn es um die Beteiligung von Frauen auf der Grundlage ihrer Menschenrechte geht, aber auch bei den Erfolgsgeschichten, die zeigen, was sie bereits für die Aufrechterhaltung menschlicher Sicherheit tun. So gilt es z.B. sicherzustellen, dass Frauen am Verhandlungstisch von einer gründlichen Analyse der Veränderungen sprechen können, die ein bestimmter Konflikt auf Frauen und Männer hat, dass Personal mit Kenntnissen der Genderforschung eingestellt wird oder Mediatoren einschlägige kulturelle Hintergründe haben, dass Frauen in Führungspositionen entsprechend gefördert werden und dass Mechanismen für eine Rechenschaftspflicht zur Evaluierung und zum Ergreifen von Maßnahmen vereinbart werden.

Die Workshops am Nachmittag nahmen Frauen als Akteure des Wandels, die Rolle der Frau in Friedens- und Übergangsprozessen, die Gründung von Frauen-Friedensnetzwerken sowie bestimmte Probleme wie sexuelle Gewalt, Homophobie, Umwelt und die Rolle der Medien in den Blick. Ein Highlight war eine öffentliche Aktion, die auf kreative Art und Weise zu mehr Einsatz für unsere Staatsausgaben in Gesundheits- und Bildungswesen sowie für Menschenrechte aufrief. Bei der Abendgala gab es Lyrik, Tanz und Gesang – ein Fest für Jung und Alt. Im Laufe des Tages wurden wir von dem Solidaritätsaufruf nepalesischer Vertreterinnen, die Neuigkeiten aus ihrer Heimat überbrachten, zu Tränen gerührt. Wir wurden von einer Delegierten aus Burundi daran erinnert, wie wichtig es ist, Frauen auszubilden, damit sie für den Frieden arbeiten können. Wir knüpften Kontakte mit Frauen aus Korea, Israel, Afghanistan, Frankreich… und lernten von Frauen aus Syrien, der Ukraine, Serbien und dem Iran, die in Friedensprozesse eingebunden sind. 

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Willemijn Lambert und Kate Monkhouse arbeiten beide für Creators of Peace und nahmen an der Jubiläumskonferenz zum 100. Gründungstag der Internationalen Frauen-Liga für Frieden und Freiheit (WILPF) in Den Haag/Niederlande teil.

Übersetzung: Judith Schmidt