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Women’s International League for Peace and Freedom’s (WILPF) 100th Anniversary Conference in The Hague.
Women’s International League for Peace and Freedom’s (WILPF) 100th Anniversary Conference in The Hague.

100 Jahre Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit - 3. Konferenztag

Donnerstag, 11. Juni 2015

100 Jahre Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit - 3. Konferenztag

Am letzten Tag der Konferenz ziehen Willemijn Lambert und Kate Monkhouse ihre Schlüsse aus 3 Tagen des Lernens und des Engagements mit anderen Friedensstifterinnen.

Der dritte Tag begann mit einer ehrlichen Untersuchung, inwieweit wir staatliche und nicht-staatliche Akteure für den Wandel, den wir uns in der Welt wünschen, zur Verantwortung ziehen können. Bronagh Hinds aus Nordirland berichtete, wie die Frauen-Friedensbewegung in ihrem Land innerhalb und Seite an Seite mit dem formellen Friedensverhandlungsprozess arbeitete und dadurch die nützliche Rolle der Frauen beim Austausch zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und beim Verstehen nicht offen ausgesprochener Probleme bestätigt wurde. Sie unterstrich die Wichtigkeit, schwierige Gespräche zu führen und zitierte hierfür drei wertvolle Fragen, die für einen produktiven Dialog sorgen: ‚Was willst du wirklich?‘,  ‚Warum willst du es?‘ und ‚Womit kannst und leben, wenn andere etwas anderes wollen?‘ Sie bestätigte auch, dass es sehr schwierig sein könne, unsere eigene innere Spaltung und die, die wir in unserer eigenen Gemeinschaft leben, zuzugeben. Fundamental wichtig sei für sie der anhaltenden Beziehungsaufbau und die Projekten und Visionen, die man mit anderen Menschen teile.

Women’s International League for Peace and Freedom’s (WILPF) 100th Anniversary Conference in The HagueWir begrüßten die Aufforderung der ehemaligen UN-Untergeneralsekretärin Radhika Coomaraswamy, in gewaltfreie Konfliktprävention zu investieren, etwa indem man Frauen für das Einleiten von Frühwarnsystemen ausrüstet, Satellitentelefone in abgelegenen Gebieten benutzt, um Bedrohungen zu melden und sich für die Wiedereingliederung von Kindersoldaten engagiert. Hakima Abbas von AWID erzählte uns von Aktivistinnen in Nigeria, die ihre tägliche, schwierige Arbeit unablässig fortführen, um ihre Mädchen vor Entführungen zu schützen. Wir alle, wo auch immer wir auf der Welt leben, müssen einsehen, dass fundamentalistische Ansichten sich nicht auf Kultur oder Religion beziehen, sondern Angst und die Kontrolle des „Anderen“ widerspiegeln. Nawal Yaszeji des Syrischen Frauenbundes berichtete von ihren Erfahrungen mit Frauen, die sich zusammentun, um auf den Konflikt in ihrer Heimat zu reagieren, ohne dabei in sektiererische Streitereien zu verfallen. Alle waren sich darüber einig, dass es wichtig sei, auf eine Einheit innerhalb der Frauenbewegung hinzuarbeiten, ohne dabei unsere Unterschiede und die eigenen, unverkennbaren Beiträge zu ignorieren. Die Sitzung endete mit der Beobachtung, dass Solidarität nicht nur ein Hashtag sei, weil einige von uns Probleme haben und andere nicht. Wir alle müssen für einen positiven Wandel innerhalb unserer eigenen Länder arbeiten.

Am Nachmittag erwarteten wir mit Spannung die neue Filmserie von Peace is Loud mit dem Titel “Trials of Spring” (“Frühlingsverhandlungen”). Die Filme beleuchten das individuelle Erleben der jüngsten Ereignisse in Ägypten, Libyen, Bahrain und dem Jemen. Jede Geschichte zeigte, wie Menschen sich dazu aufgerufen fühlten, zu reagieren, und welche Folgen das für sie hatte. Dann lieferten Studenten und Studentinnen Erfahrungsberichte ihres Friedenskampfes innerhalb ihrer Fakultäten und Kommunen, wo sie mit Stigmatisierung konfrontiert wurden: so sei „Frieden“ ja schließlich „Frauensache“ und das Studium von Konflikt- und Sicherheitsmanagement da schon die bessere Berufswahl. Sie sprachen auch über die Schwierigkeiten bezüglich unbezahlter Praktika und darüber, dass ältere Friedensstifter als Mentoren fehlten. Insbesondere erwähnten sie kreative Projekte, die sie selbst in Schulen, sozialen Netzwerken und in der Universität durchgeführt hatten, um das Bewusstsein der Menschen zu schärfen und ein sicheres Lernumfeld zu schaffen. Es ist ihnen wichtig, etwa den Tod von schwarzen Männern, die sich in den USA in Polizeigewahrsam befanden, neu zu schildern – eine Herzensangelegenheit für alle Friedensstifter.

Die Konferenz endete mit der Aufforderung zu einem Moment der Besinnung, um ein persönliches Gelöbnis zu machen und sich selbst zu engagieren. Wir entschieden uns, „weiterhin Räume für Frauen zu schaffen, damit sie erforschen können, was Frieden für sie als Individuen, Familienmitglieder und Bürgerinnen einer Gemeinde und eines Landes bedeutet. So können wir für uns im Konflikt und in dessen Auflösung Verantwortung übernehmen und Freundschaften über Grenzen hinweg schließen.“ Wir aßen zusammen mit Frauen aus Costa Rica, Schweden und Australien, verabschiedeten uns von neuen Freundinnen aus der Demokratischen Republik Kongo und fuhren nach Hause, um dort vom Frieden zu träumen, für den wir auch morgen wieder aufstehen und arbeiten werden.

Willemijn Lambert und Kate Monkhouse arbeiten beide mit Creators of Peace und nahmen anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) an der Konferenz in Den Haag teil.

Lesen Sie hier den Blog zum 1. Konferenztag
Lesen Sie hier den Blog zum 2. Konferenztag

Übersetzung: Judith Schmidt