Aktuelle Berichte

Business-TIGER bemüht sich, Integrität zu stärken

Freitag, 20. September 2013

Business-TIGER bemüht sich um Stärkung von Integrität

von Jiawen Zhou

Margaret Heffernan (links) im Gespräch mit Teilnehmern

Am 12. September 2013 fand im Rahmen der TIGERoadshow in Sheffield/Grossbritannien eine Podiumdiskussion mit hochrangigen Rednern zum Thema "Vertrauen und Integrität in der Weltwirtschaft" (Trust and Integrity in the Global Economy/TIGE) statt.

TIGE legt seinen Hauptschwerpunkt auf den wahren Kern eines effektiven Führungsstils und ermutigt Entscheidungen auf der "Basis des Gewissens", die auf organisatorischer Ebene zu Veränderungen im Geschäfts- und Wirtschaftsleben führen. Dies trifft mitten in eine Zeit hinein, in der im Anschluss an die weltweite Banken- und Wirtschaftskrise Integrität und Vertrauen mehr als je zuvor gebraucht werden.

Rikki Griffiths von der HSBC-Bank/LiverpoolDie TIGERoadshow-Workshops - organisiert vom Business-Programm IofC Grossbritanniens - zeigen auf, wie mit dieser Herausforderung umgegangen werden kann. Sie bringen Wirtschafsexperten, Vertreter von Konzernen und sozialen Unternehmen zusammen, um auf lokaler und regionaler Ebene Netzwerke aufzubauen, in denen bewährte Praktiken ausgetauscht und Bewusstsein und Unterstützung für neue ethisch orientierte Unternehmen verbreitet werden können.

Die Sheffield Business School (SBS) der Sheffield Hallam-Universität empfing eine Reihe von TIGE-Hauptrednen. Unter ihnen befanden sich die anerkannte Wirtschafsautorin Margaret Heffernan, Tony Bradley, Direktor des SEED-Zentrums (Entwicklungszentrum für soziale und ethische Unternehmen) der Liverpool Hope Universität Business School, Professor John Carlisle, Regierungsberater für grossangelegte Infrastruktur-Projekte und Rikki Griffiths, Bezirkswerbechef der HSBC-Bank in Liverpool.

Der Rektor der Sheffield Business School, Adrian Hopgood, hiess die Teilnehmer an der Universität willkommen und eröffnete die Veranstaltung. SBS ist mit 7600 Studenten aus über 100 Ländern die drittgrösste Wirtschaftshochschule Grossbritannien. Professor Hopgood zitierte einen Bericht der Sheffield Hallam-Universität: "(...) In der Vergangenheit bestand die Tendenz, nach einem heldenhaften Führungsstil zu suchen und ihn vor allem von der "Spitze" zu erwarten. Aber bei vielen machte sich jetzt das Gefühl breitl, es gäbe eine Bewegung weg von dieser Bestrebung, hin zu einer "kollektiven Führungskultur", in der ein breiterer oder dezentralisierterer Blick auf Führung gedeihen kann."

Teilnehmer der Feedback-Diskussion Margaret Heffernan argumentierte, die grössten Bedrohungen und Gefahren, denen wir uns gegenübersähen, seien diejenigen, die wir eben nicht sähen - ncht weil sie geheim oder unsichtbar seien, sondern weil wir "willens blind" seien. Sie hätte "toten Winkel" in der Geschäftswelt gesehen, die zum Versagen einer Firmenkultur führten, was wiederum Zusammenarbeit im Geschäft untergräbt.

"Der Leiter jeder Organisation dieser Welt muss sich die Skandale, die HSBC, Barclays, die BBC und New Corporation erschüttern, genauestens ansehen...Jede Organisation hat Probleme und Sorgen, die zwar vielen bewusst sind, es aber vorziehen, nichts zu sagen.", sagte sie. "Wir aber könnten uns nie so verhalten, weil wir alle gerne denken, dass wir gut und ethisch korrekt sind. Was also läuft schief?"

Sie sagte weiterhin: "Wir idolisieren charismatische Einzelpersonen, was uns wiederum das Gefühl geben, dumm und unvollkommen zu sein. Das Resultat war, dass viele Menschen eine überimperialen Führungsstil anerkannten, den niemand hinterfragte. Wir können nicht multitasken, da unser Gehirn feste kognitive Grenzen hat. Je beschäftigter wir sind, desto weniger sind wir in der Lage, kritisch zu denken, desto weniger wissen wir, was richtig und was falsch ist. Wir mögen keine Konflikte, da unser Bildungssystem Gehorsam und Konformität unterstützt. Die meisten Leute wollen der Masse angehören, während Whistleblower oft schwarzgemalt werden. Wir verwechseln Reden mit Handeln. Das bedeutet, wir haben das Gefühl, wir hätten etwas getan, was in Wirklichkeit nicht stimmt. Die eiserne Regel für das Verhalten von Menschen, die nur daneben stehen und zusehen, ist: Je mehr Menschen Zeugen falschen Verhalten sinds, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass jemand eingreift."

Sie sprach anschliessend darüber, wie dem durch die Umwandlung unzuverlässiger Geschäftspraktiken in vertrauenswürdige praktisch entgegengewirkt werden könne. Als Lösungsvorschlag erklärte sie, die Qualität der Meinungsverschiedenheiten innerhalb einer Organisation zeige, wie gut sie geführt werde. Keine Meinungsunterschiedenheiten bedeuteten: Nicht gut!

"Jede klevere Organisation sollte Systeme und Prozesse entwickeln, die es leicht und sicher für den einzelnen Angestellten machen, Fragen zu stellen, Sorgen zum Ausdruck und Wahrheiten ans Licht zu bringen. Das geschieht nur, wenn keiner die Augen verschliesst und die Wahrheit sagt.", erklärte sie.

Reverend Tony Bradley ging davon aus, der ethische Konsummarkt - ein stark untergliederter Marktplatz, wo "ethische" Entscheidungsfindung auf einer Vielzahl von Faktoren basiere, von denen viele nicht ungedingt "altruistisch" seien - sei beträchtlich im Wachsen.

"Der 'Ethische Konsumenten-Bericht 2011' zeigte, dass Gelder in ethischen Sparkonten und Investitionen von einem Jahr aufs andere um 9.3 Prozent von 19.3 auf 21.1 Milliarden Pfund angestiegen sind.", sagte er. Er fügte hinzu: "Die Entwicklung der Zukunft gehört sozialen Unternehmen und Firmen mit ethischen Grundlagen. Sie greifen die Zerrüttung an, die durch die fünf "S" entstanden ist: "Size, scale, sources, sinks and responding to the challenge of greater solidarity in business and the economy". (Grösse, Umfang, Herkunft, Rückgänge und Reagieren auf die Notwendigkeit nach grösserer Solidarität in der Geschäftswelt und der Wirschaft). Laut des Berichts 'Grossbritannien schlägt zurück 2012' von 'Social Enterprise UK' hätten 58% der sozialen Unternehmen 2011 einen Wachstumsanstieg vermeldet."

Im Anschluss an seine tiefgehenden Ausführungen wurden interessante Fallstudien von sozialen und ethisch-basierten Unternehmen vorgestellt: 'Mind Apart' aus Sheffield unter der Leitung von Jodie Marshall sowie Joe Wann, Gründer und Präsident von 'My Social Innovation' (MySI), einer Organisation mit Sitz in London, die jungen Menschen hilft, nachhaltige soziale Unternehmen aufzubauen.

Professor John CarlisleNach einer Systemdenk-Übung mit praktischer Anwendung für grosse Firmen schlug Professor John Carlisle ein neues Geschäftsmodel vor, das nachweislich besser und gewinnbringender sei. "Beim besten Geschäftsmodell der Zukunft werden keine Kosten gekürzt, sondern die Qualität verbessert. Die neue Ordnung kann bis hin zur Zusammenarbeit mit Lieferanten direkt durchgezogen werden.", sagte er.

Rikki Griffiths von HSBC fügte hinzu: "Wir müssen unsere Kultur verändern, um zu traditionellen Bankenpraktiken auf der Basis von Beziehungen zurückzukehren, bei denen mehr Zeit damit verbracht wurde, zu verstehen, was der Kunde braucht, nicht Produkte zu verkaufen, um kurzfristige Ziele zu erreichen."

Der Möbelhersteller Alastair Johnson hielt die eintägige Veranstaltung für tiefgehend, breitgefächert, oft lustig, interessant und fundiert. "Ich fühlte mich in meinen Ideen für ein soziales Unternehmen ermutigt und bestätigt und habe noch mehr Menschen entdeckt, die ähnlich denken.", sagte er. Julia Harley stimmte zu: "Der Inhalt dieser Veranstaltung ist wie Samenkörner. Je mehr wir sie aussähen und giessen, indem wir uns ständig daran erinnern und Menschen herausfordern, desto mehr werden wir Ergebnisse sehen können."

Fotos von Jiawen Zhou