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Ruanda - Indigenisierung der Entwicklung

Freitag, 20. September 2013

Ruanda – Indigenisierung der Entwicklung

Nombulelo Khanyile and Amina Dikedi-Ajakaiye

Mathilde Kayitesi, amtierende Sekretärin von Umuhuza, einer Nichtregierungsorganisation und Mitglied von IofCs Initiative Grosse Seen, traf sich in Caux mit Nombuelo Khanyile (Südafrika) und Amina Dikedi-Ajakaiye (Nigeria), um einige Gedanken durchzusprechen, die sie sich über Ruanda gemacht hatte und zu sehen, wie die Afrikanische Koordinationsgruppe (African Coordination Group/ACG) die Arbeit unter Frauen und Jugendlichen unterstützen könnte. Wir konnten nicht ahnen, dass wir noch nicht einmal zwei Monate später in Ruanda sein würden.

Die ACG organisierte ein Treffen in Kenia, um die Entwicklung und Zukunft des Workshop für Afrikas zu besprechen. Da wir in der Gegend waren, ergriffen wir die Gelegenheit beim Schopf und besuchten Initiatives of Change (IofC)-Freunde in Uganda und Ruanda. Unser Besuch in Ruanda war sehr kurz, nur zwei Nächte, aber wir werden ihn nicht so schnell vergessen. Vom Moment unserer Ankunft bis zu unserer Abreise waren wir beeindruckt von der Entwicklung, die vor allem in Kigali, der Hauptstadt, die 1994 vom Völkermord verwüstet worden war, stattgefunden hatte.

Nombulelo and Matilda Wir begannen in Ruanda zu schätzen, wie kulturelle Konzepte und Werte als Werkzeug für Entwicklung übernommen worden waren. Engagement von unten oder Verantwortlichkeit sind keine fremdartigen Ideen von Experten mehr, sondern die Regierung hat Wege gefunden, praktische kulturelle Werte wieder in Erinnerung zu rufen, um die Bürger zu ermutigen, sich für den Fortschritt einzusetzen. Während des Treffens mit Botschafterin Fatuma Ndangiza, der stellvertretenden Vorsitzenden des Ruanda-Leitungskomittees (Rwanda Governance Board/RGB), Matilde Kayitesi und Didacienne Mukahabeshimana (alle drei haben Caux schon besucht) erklärten sie uns einige dieser Konzepte.

Mit Überraschung sahen wir die sauberen und ordentlichen Strassen von Kigali. Sie waren nicht nur gefegt, sondern die Leute werfen auch keinen Abfall weg! Jeden letzten Samstag im Monat treffen sich die Leute der Nachbarschaft und räumen gemeinsam auf. Man nennt dies Mungada. Man sagte uns, der Präsident habe einmal die Leute gefragt, ob sie Hilfe aus dem Ausland bräuchten, um ihre Häuser und die Umwelt sauber zu halten!

Das zweite Konzept nennt sich Imihigo. Bei diesem Konzept setzt sich jede Einheit der Gesellschaft - Dörfer, Bezirk oder Distrikt - Ziele und Zeitlimits, um ihre Ziele zu erreichen. Es ist ein ein Vertrag auf Wettbewerbsbasis, der von den Menschen entwickelt wird, um auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Alles Sektoren und Dörfer legen ihr Imihigo der Bezirksverwaltung vor. Es gibt keine Projekte, die mehr Ärger als nützlich sind! Wir erfuhren, dass die das Land daran erinnert wird, dass Würde und Eigenverantwortung wichtig sind, um Fortschritt zu erzielen.

Agachiro, ein anderes Konzept, das unser Interesse erweckte, bezieht sich auf den Würde-Fond. Dieser Fond geht davon aus, dass nachhaltige Entwicklung nicht nur alleine durch Finanzierung von aussen erreicht werden kann. Man kann seine Würde nicht durch Betteln behaupten. Institutionen und Einzelpersonen spenden Gelder entsprechend spezifischer Regierungsrichtlinien. Es wird erzählt, eine Schülerin habe stolz 100 ruandanesische Francs (noch nicht einmal 20 Cent) für den Wiederaufbau ihrer Schule gespendet. 2012 wurden schätzungsweise 10 Milliarden ruandanesische Francs (etwa 60% der Gesamtsumme) innerhalb des Landes aufgebracht.

Wenige Stunden vor unsere Abreise besuchten wir die Kigali Völkermord-Gedächtnisstätte, die im Herzen von Kigali liegt, wo etwa 250 000 Opfer des Völkermordes begraben wurden. Das Völkermord-Memorial ist gut und umfassend dokumentiert und gibt einem ein Bild davon, wie Ruanda vor dem Völkermord gab. Wir verliessen Ruanda mit dem Gefühl, dass es wahrlich ein Land ist, das für Afrika sehr vielversprechend ist. Nombulelo Khanyile and Amina Dikedi-Ajakaiye 

Ruanda ist ein Land mit keinen natürlichen Rohstoffen wie Öl, Diamanten oder Gold. Meistens wissen die Leute über dieses Binnenland, dass dort 1994 der Völkermord stattgefunden hat, der die Welt geschockt hat, doch man weiss auch, dass Ruanda die Opfer des Tsunami, von Haiti und Somalia finanziell unterstützt hat. Die Anwendung von Weisheit, die aus dem Land selber kommt und eine Entwicklung, die sich an den Bedürfnissen orientiert, hat Ruanda geholfen, dass es nun dort steht, wo es heute ist. Und in der Tat, wie Botschafterin Fatima vom Ruanda-Leitungskomitee sagte: "Unsere wichtigste Ressource ist unser Volk!"

 Amina Dikedi-Ajakaiye     Nombulelo Khanyile