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Was ich beim Dialog "Wunden der Vergangenheit heilen" gelernt habe

Montag, 15. Oktober 2012

Am Ufer des Schwarzen Meers auf der Krim fand vom 6.-9. September 2012 ein Dialog zum Thema "Wunden der Vergangenheit heilen" statt. Viele verschiedene Kulturen und ethnische Minderheiten, die in der Vergangenheit unter anderem unter Hungersnöten und in der stalinistischen Sowietunion unter ethnischen Zwangsumsiedlungen litten, leben heute in diesem Teil der Ukraine.

18 Teilnehmer nahmen an dem viertägigen Dialog teil, der von Foundations for Freedom und dem Ableger des "Club für junge Führungspersönlichkeiten" auf der Krim (beides IofC-inspirierte Programme) organisiert und finanziell von Kerk in Actie-ICCO (Kirche in Aktion/Niederlande) unterstützt wurde.

Unter der Moderation von Diana Damsa (Rumänien) und Olena Kashkariova (Ukraine) lernten die Teilnehmer, zuzuhören und zu begreifen. Sie suchten nach Antworten auf Fragen wie "Wer sind wir?" - hier ging es um ihre Wurzeln - und diskutierten Themen ihrer eigenen Wahl.

Yuliya Kryvosheyina, Teilnehmerin des Dialogs, schreibt über ihre Erfahrungen:

Ich hatte den Verdacht, das Geheimnis unserer Welt sei Liebe.

Dies hat sich beim Dialog-Seminar "Wunden der Vergangenheit heilen" bestätigt. Ich weiss nicht genau, was ich hier verstanden habe, aber ich erlebte eine Stimmung, in der ich aufrichtig sein konnte. Ich habe gelernt, dass meine Worte jemanden verletzten können, auch wenn sie wahr sind.

Ich bin vor allem einem Mädchen, einer Krim-Tatarin, die mir ihre eigene Geschichte voller Schmerz erzählte, sehr dankbar. Ich fühlte gleichzeitig ihren Schmerz mit ihr und auch die Gleichgültigkeit der Person, die sie verletzt hatte. Denn diese Geschichte war zum Teil über mich.

Irgendwann in meinem Leben war es eine richtige Leistung für mich, nicht schlecht über die Krim-Tataren zu reden. Jetzt schäme ich mich dafür, wie schlecht ich über sie dachte. Ich hoffe nur, Gott wird mir vergeben.

Ich dachte: "Wie kann ich sie gut behandeln, wenn die Erwachsenen um mich herum dies oder das sagen..." Aber beim dem Seminar-Dialog "Wunden der Vergangenheit heilen" erkannte ich, dass die Vergangenheit nicht eindeutig ist. Ich kann sowohl die eine oder die andere Seite annehmen und trotzdem verletzt werden. Ich kann eine Entschuldigung verlangen - und meine mangelnde Liebe rechtfertigen.

Oder ich kann vergeben. Nichts anderes kann mit der Vergangenheit gemacht werden.

Ukraine dialogue Learning from the Past - Sept 2012Ja, auf der einen Seite hatte ich solche Angst. Ich hatte das Gefühl, vor einer riesigen Wand zu stehen und dass ich nicht vergeben konnte. In meinem kleinen Herzen gibt es so viel seltsames und schweres Zeug.

Und dann erlebte ich eine neue Art und Weise des Betrachtens der Dinge.

Ich bin einem Mädchen, mit dem ich mich im letzten Jahr angefreundet habe, dankbar. Sie wurde ein Teil meines Lebens und lud mich ein, ihre Familie zu besuchen und erzählte mir von ihrer Situation. Erst ein Jahr später habe ich begonnen, sie wirklich zu akzeptieren. Sie hat meine Wand durchbrochen. Dialog hat mir geholfen, zu verstehen, dass wenn eine Krim-Tatarin eine enge Freundin von mir ist, wenn ihre Familie so nett und herzlich ist, WEN kann mein Herz dann hassen?

Ich habe losgelassen.

Ich wünsche mir, die Herausforderungen zu verstehen, denen sich Krim-Tataren heute gegenüber sehen. Und ich möchte ihnen helfen, diese Probleme zu überwinden. Ich stelle mich auf jedermanns Seite. Ich habe gerade erst begonnen, mich selbst zu verstehe und habe gesehen, dass ich keinen Grund habe, ihnen gegenüber gleichgültig zu sein.