Menschen - Geschichten - Berichte

Ukraine – Auf dem Weg zum Frieden

Freitag, 5. September 2014
Author: 

Professor Andrei ZubovDie Caux-Konferenzen “Gerechte Regierungsführung für menschliche Sicherheit” im Juli dieses Jahres brachten sowohl Teilnehmer aus dem Osten und Westen der Ukraine als auch aus der Krim zusammen. Darunter waren Mustafa Dschemilew, der bekannteste Anführer der Krim-Tataren (eine auf der Halbinsel Krim beheimatete ethnische Gruppe), Miroslaw Marinowitsch, Vizerektor der Ukrainischen Katholischen Universität in Lwiw, und viele andere, die sich intensiv für die Zukunft der Ukraine einsetzen. Auch Teilnehmer aus Russland zählten dazu, wie Andrej Zubow – ein Geschichtswissenschaftler, der erst vor kurzem vom Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen entlassen worden war, nachdem er einen russlandkritischen Artikel zum politischen Vorgehen Russlands auf der Krim veröffentlicht hatte.

Es kam zu regen und zeitweise auch hitzigen Diskussionen zwischen den Teilnehmern. Allerdings war allen klar, von welcher Bedeutung es ist, einen aufrichtigen Dialog zu führen, so schmerzhaft dieser auch sein möge. Zudem fanden sich oft viele Gemeinsamkeiten in Bezug auf wesentliche Grundsätze. Aus diesen Diskussionen entstand die „Plattform für  ukrainisch-russische Kontakte, Dialog und Initiativen“, sowohl auf Russisch als auch auf Ukrainisch. Nicht alle Teilnehmer fühlten sich dazu bereit, diese zu unterstützen. Professor Marinowitsch und Professor Zubow unterzeichneten allerdings die Erklärung im Namen derer, die hinter dieser Plattform standen. Die deutsche Übersetzung der Erklärung auf dieser lautet:

"Wir, russische und ukrainische Bürger, halten es für lebenswichtig, Brücken der gegenseitigen Verständigung, des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und Russland zu bauen.

Wir sind uns dessen bewusst, dass die traurige Alternative zu dieser gegenseitigen Verständigung das weitere Abdriften in den Abgrund des Krieges, der gegenseitigen Bezichtigungen und im Endeffekt des Hasses wäre.

Wir stellen mit Schmerzen fest, dass die Gefahr der vollen Annullierung aller Beziehungen zwischen beiden Völkern, die früher als einander nahestehend galten, Realität geworden ist, und dass die Möglichkeit eines vollwertigen Krieges zwischen Russland und der Ukraine besteht, welcher zweifellos zahlreiche Opfer von beiden Seiten fordern und die Welt vor die Gefahr eines globalen bewaffneten Konflikts stellen würde.

Als gemeinsame Wertegrundlage für den Aufbau russisch-ukrainischer Beziehungen soll Folgendes gelten:

  • Anerkennung des menschlichen Lebens, der Menschenrechte und menschlicher Würde als höchste Werte;
  • Bedingungslose Einhaltung bestehender völkerrechtlicher Verträge und Verpflichtungen:
  • Bereitschaft, sich ehrlich und offen mit der Geschichte sowie mit dem aktuellen Stand der Beziehungen zwischen unseren Völkern auseinanderzusetzen und diese als Wahrheiten zu akzeptieren, auch wenn dies manchmal recht schmerzhaft ist;
  • Bewusstsein der Notwendigkeit einer Aufarbeitung unserer gemeinsamen totalitären Vergangenheit und des Aufbaus einer gerechten und freien Gesellschaft in unseren Staaten;
  • Unzulässigkeit des Informationskrieges, der Propaganda und der Informationsmanipulation durch die eine oder andere Seite.

Die Wiederherstellung des Friedens und guter nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen unseren Völkern ist nur auf der Grundlage der Prinzipien von Wahrheit, Transparenz, gegenseitigem Respekt und Gewaltfreiheit möglich.Professor Miroslav Marinowitsch

Wir verstehen, dass wir diese nur umsetzen können, wenn sich beide Seiten von Folgendem leiten lassen Grundprinzipien:

  • Anerkennung, dass eine militärische Lösung der Probleme in den Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine in eine Sackgasse führt und dass die Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine schnellstmöglich erfolgen muss. Dem Krieg zwischen unseren Völkern soll ein Ende bereitet werden, und er darf in Zukunft nicht wiederholt werden.
  • Ablehnung der feindseligen und aggressiven Akte der Russischen Föderation gegenüber der Ukraine. Der nicht erklärte Krieg, den die Russische Föderation de facto gegen die Ukraine führt und der bereits zahlreiche Opfer gefordert hat, kann zu unüberwindbaren Hindernissen in den Beziehungen zwischen unseren Völkern für die nächsten Jahrzehnte führen; 
  • Anerkennung des Rechtes beider Völker, sich für den eigenen Weg der staatlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zu entscheiden;

 

Wir schlagen jedem, der diese Prinzipien beherzigt, vor, einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk zu leisten - sowohl durch Dialog und gemeinsame Initiativen, als auch in anderer Form.

Wir fordern Sie dazu auf, Ihre Gedanken und Vorschläge zur Entwicklung eines konkreten Aktionsplans und praktischer Massnahmen zur Gewährleistung des Friedens und guter nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen unseren Völkern zum Ausdruck zu bringen."

Diese Erklärung ist im Moment in Russland und der Ukraine im Umlauf und Aktivisten der Zivilgesellschaft in beiden Ländern haben ihr Interesse an einer Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative geäußert. Die Plattform kann unter platform2peace@gmail.com kontaktiert werden.

Download (WORD) der "Plattform für ukrainisch-russische Kontakte, Dialog und Initiativen" auf Deutsch und Englisch siehe Anhang.

Übersetzung: Anita Blum