Veränderung beginnt mit mir!

Veränderung beginnt mit mir!

Montag, 1. Oktober 2012

K Haridas Nair

Im Mai fanden im Rahmen der Tools for Change KL 2012-Konferenz, die von IofC Malaysia organisiert wurde, fünf Workshops statt, aus denen die Teilnehmer auswählen konnten. Diese Workshops, die nachmittags stattfanden, sollte Fähigkeiten vermitteln, um "Katalysatoren der Veränderung" zu werden. Worshopthemen waren "Leidenschaftlicher Einsatz am Arbeitsplatz", "Leiterschaft", "Friedensstifter", "Interkulturelle Kommunikation" und zum Schluss "Entscheidung", ein Workshop, der vom Arbinger Institute organisiert wurde.

Ich entschied mich für "Entscheidung", der die Tiefen dessen auslotete, das wir bei IofC oft mit "Veränderung muss bei mir beginnen" beschreiben. Ich lernte die Dialog-Philosophie des österreichischen Philosophen Martin Buber kennen, die auf der Unterscheidung zwischen "Ich-Du" und "Ich-Es"-Beziehungen basiert. Diese repräsentieren zwei verschiedene Einstellungen. Die eine ist eine Beziehung der Gegenseitigkeit und der Rezoprozität, während die andere auf Trennung und Distanz gründet. Hierin liegt eine Entscheidung.

Ich erinnerte mich an eine früher Erfahrung mit Veränderung, die mein Leben prägte. Ich hatte einem Verwandten gegenüber einen tiefen Hass und Ablehnung entwickelt. Als ich über den Massstab der "Absoluten Liebe" nachdacht, fühlte ich, dass ich hier nichts unternehmen wollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie aus dieser Beziehung sich etwas Gutes entwickeln sollte. Das letzte, was ich wollte, war diese Beziehung reparieren und wiederherstellen.

Ich bat einen älteren, weisen Schotten, dessen Geschichte der Veränderung mich sowohl amüsiert als auch meine Vorstellung von Mut herausgefordert hatte, um Rat. Als ich ihm sagte, ich würde die Dinge gerne auf sich beruhen lassen, fragte er: "Wie falsch lag diese Person?". Ich sagte: "99%". Er bat mich, über die 1%  nachzudenken, die mich betrafen, anstatt mich auf die 99% der andern Person zu konzentrieren. Dies klang so logisch, dass ich mich darauf einlassen wollte.

Der Kurse zum Thema "Entscheidung" öffnete in meinem Herzen ein Fenster. In dem Moment, in dem ich mich auf meine eigenen Fehler konzentrierte, war ich in der Lage, das, was eine "Ich-Es"-Beziehung geworden war, in eine "Ich-Du"-Beziehung umzuwandeln. Wenn ich über Dinge nachdachte, die ich hinter dem Rücken dieser Person getan und gesagt hatte, fühlte ich mich schuldig. Statt der 99% Schuld, die ich ihm zugesprochen hatte, sah ich, was für wundervolle Dinge er für mich getan hatte. Dies half mir, die Verantwortung für mehr als meine 1% zu übernehmen. Als ich ihn später traf, war es ein Moment der gegenseitigen Entschuldigung, der Vergebung und der Versöhnung.

Ich erkannte, was es bedeutet, in "der Box" (eine Analogie von Arbinger) zu sein und wie dies meine Reaktionen beeinflusst. Wenn ich in "der Box" gefangen bin, kann ich nichts anderes als "eingeboxte Reaktionen" sehen. Dieser Kurs half mir, zu verstehen, wie man aus solchen "Box"-Situationen herauskommt und wie das "Aus der Box herauskommen" Antworten aufzeigt, die zu positiven Beziehungen führen.

"Entscheidung"-Moderator war ein jugendlich aussehender Däne, der sich selbst sehr zurücknahm und offen über seine eigenen Erfahrungen aus der Familie und am Arbeitsplatz sprach. Am zweiten Tag hatten viele der Teilnehmer ihr eigenes "Aha-Erlebnis". Der Groschen fiel mit der Erkenntnis, dass es um das "Ich" ging und all das, das innerhalb MEINER Kontolle liegt. "Veränderung beginnt mit mir" lenkt die Suchscheinwerfer nach innen und bringt frisches Licht in all meine Beziehungen. Ich spüre nur dann unsere gemeinsame Menschlichkeit, wenn ich verstehe, was meine Emotionen in jedem einzelnen Augenblick mit mir machen. Wenn ich Verantwortung übernehme, entwickle ich Mitgefühl für den Zustand des Anderen und muss nicht mehr das Opfer sein.

Der Workshop zeigte für mich klar auf, wie wir uns selbst und andere immer dann menschlicher machen können, wenn wir die Verantwortung für unsere eigenen Handlungen/Reaktionen übernehmen, ob wir aus der Schwäche oder der Stärke heraus handeln. Verantwortung zu übernehmen beinhaltet Kraft.

Wir Menschen nehmen ins Erwachsenenalter verschiedene Lasten der Vergangenheit mit, wie beispielsweise Einstellungen, geprägt von tiefen Verletzungen, Eifersucht, Ablehnung oder aber wir wurden das Opfer anderer. Dieses emotionale Gepäck definiert dann den Einzelnen in seinen/ihren Handlungen. Wir werden durch die Dysfunktionalität anderer konditioniert und werden von Emotionen, Einstellungen und Verhaltensweisen gefangen genommen, die wieder und wieder all unsere Beziehungen infizieren und auf sie abfärben.  Für diejenigen, die sich nur auf ihren rationalen Verstand und die Welt von aussen verlassen, erscheint dies alles düster und herausfordernd. Für andere, die angefangen haben, die Fähigkeit zu entwickeln, sich selbst gründlich zu analysieren und bei sich zu beginnen, kann sich ein Fenster des Mitgefühls für angespannte Beziehungen öffnen.

"Veränderung beginnt bei mir" ist mehr als nur eine chronologische Position des Beginns. Sie ist voller Kraft, wenn man täglich darüber nachdenkt. Während ich dies auf einer Ebene erkannt hatte, sah ich doch in vielen Momenten nicht klar, da ich von meinem Ego gefangengenommen wurde oder Sklave bestimmter Reaktionen war und dies führte dazu, dass meine Überzeugungen nicht immer schlüssig gelebt wurden. Man sagt, unsere Überzeugungen zeigen uns nicht als bessere Menschen, sondern unser Verhalten und Benehmen.

Die Lösung dieses Paradox liegt auf der Seins-Ebene. Hier wird der "Ich-Du" und der "Ich-Es"-Dialog in den eigenen Beziehungen zusammengefasst. Indem ich das "Du" akzeptiere, sehe ich die Menschkeit im Anderen und wenn ich volle Verantwortung für meine gegenwärtigen Emotionen und Reaktionen übernehme, befreie ich mich selbst aus den Klauen des Anderen.

Ich habe viel über ein Zitat aus dem Programm nachgedacht. "Es gibt etwas tieferes als Verhalten, das die anderen spüren können - etwas, das wenn es im Argen liegt, die Effektivität auch des nach aussenhin absolut "korrekten" Verhaltens untergräbt." Dies trifft zu, wenn man Gutes aus falschen Motiven heraus tut.

"Entscheidung" war ein Kurs über Ehrlichkeit und Transparenz aus einer Verbindung mit dem Sein heraus - "ein Weg des Seiuns", der tiefer und wichtiger ist als Verhalten. Während wir die "Ich-Du"-Beziehung entwickeln, erkennen wir, wo wir uns selbst täuschen und bewegen uns aus den Tiefen unseres Seins heraus. Wir können alle Neues lernenund reiche Erfahrungen austauschen. Für mich war es ein sehr erfrischendes und bedeutsames Programm, das mir sehr dabei geholfen hat, die Qualität meiner Beziehungen zu verbessern.

Für jeden, der ein effektiver Katalysator der Veränderung sein möchte, sind die beiden Bestseller von Arbinger "Leiterschaft und Selbsttäuschung" und "Die Anatomie des Friedens" ein absolutes Muss. Vielleicht inspirieren Sie sie auch dazu, das Buch "Bande, die uns frei machen" von Dr. C Terry Warner, dem Gründer des Arbinger-Instituts zu lesen.

K. Haridas