Weder Schurke noch Narr

Weder Schurke noch Narr

Montag, 24. September 2012
Author: 

Randy RuffinMein Mann und ich genossen es, während eines Aufenthalts in Australien im Juli und August 2012 für ein paar Wochen Abstand von der amerikanischen Politik zu gewinnen. Jetzt aber wurde die Wahlsaison ernsthaft eingeläutet und wir ersticken in politischer Wahlpropaganda, Halbwahrheiten, Anschuldigungen und Gegenanschuldigungen. Wie kann man - wie kann ich - bis zum 6. November ausgeglichen, vernünftig und mit Frieden im Herzen durch die nächsten Wochen gehen?

Es ist unsere Bürgerpflicht, uns in der Politik zu engagieren. Es ist für jeden von uns wichtig, sich über die Themen, die uns und unser Land betreffen, zu informieren - unter anderem den Krieg in Afghanistan, den Konflikt in Syrien und den Iran mit seinen nuklearen Ambitionen, unsere Nachfrage nach Energie im Gegensatz zu der Notwendigkeit, die Umwelt zu schützen und den Klimawandel abzumildern, die wirtschaftliche Lage, der Finanzsektor und den Arbeitsmarkt, Bildung und Infrastruktur, Waffen, Sexualität etc. etc. Und als Damoklesschwert über allem: die Rechte des Einzelnen gegenüber den Bedürfnissen der Gesellschaft als solche und die Rolle des privaten Sektors gegenüber der Rolle der Regierung.

Wir haben alle unsere Neigungen oder vielleicht sogar starke Meinungen - aber setzen wir uns Anschauungen aus, die sich von unseren eigenen unterscheiden? Lesen wir Veröffentlichungen, die sowohl progressive als auch konservative Blickwinkel aufzeigen? Sehen wir uns Fernsehsendungen oder hören wir uns Radioprogramme an, die ausgleichende Meinungen anbieten oder solche, die sich von unseren eigenen unterscheiden? Schaffen wir es, rechtzeitig Stimmen abzuschalten, die nur parteiisch und wütend sind und sehen wir politische Werbung mit genügend Abstand oder protestieren wir vielleicht gegen die Rolle des PACS und der Gelder von "aussen" in unserer lokalen Politik? Es hat mir gut getan, zu hören, dass Senator Scott Brown und seine Gegenspielerin Elisabeth Warren zu einer Übereinkunft kamen, um die Rolle von Geldern, die von aussen kommen, um Werbung für ihre Kampagnen zu finanzieren, zu limitieren.

Ich muss zugeben, ich habe selber ganz persönliche Tendenzen - ich bin eingetragene Demokratin und habe vor, mich in der Kampagne für unseren Präsidenten und für den demokratischen Kandidaten für den Senat von Virginia einzusetzen - aber ich glaube nicht an alles, was meine Partei vorschlägt und ich bemühe mich, wohlüberlegten Überlegungen von Konservativen zuzuhören oder darüber zu lesen.  Ich bin ein grosser Fan von David Brooks und schätze seinen gesunden Menschenverstand und seine Art der Moderation und ich lese oder höre auch oft anderen konservativen Stimmen zu, unter anderem Michael Gerson. Ich schätze die Nachrichten von Public TV, die immer gegensätzliche Stellungnahmen zeigen.

Ein guter Freund hat mir gerade den Nachruf auf den Kolumnisten William Raspberry geschickt, der starb, als wir in Australien waren, und ich denke, zwei Abschnitte aus der Rede, die er 2006 an der Universität von Virginia hielt, sind eine gute Botschaft, die wir in die nächsten Wochen mitnehmen können. Eine wichtige Botschaft, die er in seiner Karriere gelernt hätte, sagte er, sei, "dass in praktisch jeder öffentlichen Kontroverse die meisten Menschen, die nachdenken, heimlich beiden Seiten glauben." Wären mehr von bereit, die Wahrheit gewisser Ansichten der "anderen Seite" anzuerkennen, würde dies vielleicht sehr dabei helfen, die tiefen politischen Gräben zu überwinden, die unser Land nahezu lähmen und wir wärend dadurch in der Lage, einige Einigungen zu erreichen.

Raspberry sagte, die zweite Lektion, "die mein Selbstbewusstsein davor bewahrt hat, in Arroganz abzurutschen, ist die, dass es absolut möglich ist, dass Sie nicht mit mir übereinstimmen, ohne dadurch weder ein Schurke noch ein Narr zu sein." Wir leben in einem konservativen Teil Virginias mit Nachbarn, Gemeindemitgliedern und Freunden, die konservativ sind und ich weiss, dass viele von ihnen nicht mit mir übereinstimmen würden und ich weiss auch, dass sie weder Schurken noch Narren sind!! Ich hoffe, sie denken das gleiche über mich!

Randy Ruffin ist Vorsitzende des Caux Scholar-Programms. Nach 27 Jahren aktiver Arbeit mit Initiatives of Change in Washington, D.C. zog sie mit ihrem Mann in einen ländlicheren Teil Virginias.

ANMERKUNG: Einzelpersonen vieler Kulturen, Nationalitäten, Religionen und Glaubensrichtungen sind zur Zeit im Rahmen von Initatives of Change aktiv. Dieser Kommentar repräsentiert die Ansichten des Autors/der Autorin und nicht automatisch die von Initiatives of Change als Organisation.