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Australiens Projekt zur Vertrauensbildung startet bald!

Donnerstag, 11. März 2021


 

Das Projekt zur Vertrauensbildung in Australien (Trustbuilding-Projekt) geht an den Start! Am 19. März findet eine Auftaktveranstaltung mit einer traditionellen Räucherzeremonie statt, an der Sie persönlich oder online teilnehmen können. Aber was genau ist das Thema, mit dem sich das Trustbuilding-Team in Australien beschäftigt?

Bei der Ankündigung des Programms sagte die Geschäftsführerin von Initiativen der Veränderung Australien (IofCA), Margaret Hepworth, das Projekt wolle die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit und die unvollständige Geschichte Australiens ansprechen. Gleichzeitig ziele es darauf ab, ein besseres Verständnis für gegenwärtige Ungerechtigkeiten zu fördern, so Hepworth.

Mit diesem Projekt reagiert IofCA auf das "Uluru Statement from the Heart", das eine faire und wahrheitsgemässe Beziehung zum australischen Volk und eine bessere Zukunft für inidigene Kinder, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung fordert.


Konfrontation mit dem Erbe

Das Erbe der Enteignung und der schädlichen Politik der Vergangenheit, wie z.B. das Herausnehmen indigener Kinder aus ihren Familien, hat dazu beigetragen, dass die indigene Bevölkerung in vielen Bereichen nach wie vor benachteiligt wird. Indigene Australierinnen und Australier haben die höchste Inhaftierungsrate der Welt und werden weitaus häufiger inhaftiert als die australische Bevölkerung insgesamt. Trotz aller Bemühungen gibt es immer noch grosse Unterschiede zwischen indigenen und nicht-indigenen Australierinnen und Australiern, so beispielsweise in Bezug auf Kindersterblichkeit, Lebenserwartung, Schulbesuch und Bildungserfolg.

"In der ersten Phase des Programms geht es darum, nicht-indigene Australierinnen und Australier für den Aufbau von Beziehungen zu den First Nations und ihren Gemeinden zu gewinnen", sagt Mike Brown, Mitglied des IofCA-Teams, das den Programmvorschlag ausgearbeitet hat. Zu den geplanten Aktivitäten zählen nationale Bildungsforen über indigene Themen. Nicht-indigene Teilnehmende, die sich mit diesen Themen beschäftigen wollen, werden ermutigt, zu recherchieren, Beziehungen aufzubauen und in ganz Australien lokale Aktivitäten zu organisieren. Diese erste Phase läuft mit Hilfe der Mobilisierung des IofCA-Netzwerks und seiner Partnerorganisationen statt, um eine Reihe von Aktionen durchzuführen, bei dem das Erzählen und Hören der Wahrheit im Mittelpunkt stehen soll.

Die zweite Phase, so erklärt Brown, werde aus einer kleinen Anzahl von Projekten bestehen, die an zwei bis drei bestimmten Orten entwickelt werden, wo sowohl Interesse als auch Engagement für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit bestehen. Eine Leitungsgruppe der First Nations Elders für Partnerschaften wird dabei helfen, die Projekte zu beraten und zu leiten.

Für ein besseres Verständnis

Photo credit: Clive Scollay

Um die Notwendigkeit des Trustbuilding-Projekts zu verdeutlichen, reiste am 30. Januar 2021 eine Gruppe mit zweiundzwanzig Besucherinnen und Besuchern, darunter Mitglieder des Trustbuilding-Projekts, nach Cherbourg, um die dortige Gemeinde zu treffen. Ihr Ziel war es, das Erbe der vergangenen Politik gegenüber Australiens First Nations besser zu verstehen und ein Gespräch darüber einzuleiten, was in der Gegenwart getan werden kann.

Die Cherbourg Aborigine-Siedlung, 270 km nordwestlich von Brisbane auf dem Land des Wakka-Wakka-Volkes, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen des Queensland-Gesetzes von 1897 zum Schutz der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner sowie zur Einschränkung des Opiumverkaufs zwangsumgesiedelt. Durch diese Politik der Zwangsumsiedelung waren in den 1930er Jahren 28 verschiedene First Nations unter den 900 Einwohnerinnen und Einwohnern von Cherbourg vertreten. Dies bedeutete, dass diejenigen, die nicht zu den Wakka Wakka, den traditionellen Landbesitzenden, gehörten, von ihrer Kultur und Sprache abgekoppelt wurden. Die Männer wurden zum Roden von Land und zur Landarbeit für Viehzüchter und nahe gelegene Grundbesitzer geschickt, während die Frauen als Hausangestellte unter gefängnisähnlichen Bedingungen verdingt wurden. Viele Kinder wurden weiter von ihren Familien getrennt, um in Schulwohnheimen zu leben, wo die Strafen hart und die Lebensbedingungen schlecht waren.


Anerkennung und Heilung

Am 26. Mai 1999 entschuldigte sich der Premierminister von Queensland, Peter Beattie, im Parlament bei den Aborigines und Torres Strait Islanders und drückte seine "tiefe Trauer und sein Bedauern" für die vergangene Politik der Trennung indigener Kinder von ihren Familien aus. Die Regierung von Queensland erkannte ausserdem die Lohndiskriminierung der Vergangenheit von Aborigines-Arbeiterinnen und -Arbeitern an und leistete einen gewissen Ausgleich.

'"Während die Entschuldigung der Regierung anerkennt, dass die Auswirkungen dieser Politik in Form eines generationenübergreifenden Traumas in der Gemeinde Cherbourg fortbestehen, sind weitere praktische Folgemassnahmen erforderlich."

 

Barbara Lawler, IofC-Älteste