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CoP-Friedenskreise im Baringo County/Kenia

Dienstag, 11. November 2014

CoP-Friedenskreise im Baringo County/Kenia

Im August 2014 waren die Creators of Peace (CoP)-Friedensstifter im Baringo County (Kenia). Das Baringo County liegt in der ehemaligen Rift Valley Province in Kenia, rund 270 km nordwestlich von Nairobi. Zu den größten ethnischen Gruppierungen in Baringo zählen die Pokots, Tugens, Endorois und Ilchamus. Erst kürzlich geriet das Baringo County wieder in negative Schlagzeilen. Ein erneutes Aufkommen von Gewalt und Überfällen in der Gegend hat zum Tod vieler Menschen und zu Fluchtbewegungen geführt. Einundzwanzig Polizisten wurden überfallen und von kriminellen Banden in Pokot ermordert. Dies ist eine sehr tragische und erschreckende Situation.

Viehzucht, vor allem Rinderzucht, stellt einen entscheidenden Bestandteil der Baringo-Kultur dar. Sie ist eine wichtige Einnahmequelle und eine traditionelle Währung beim Handel mit Ehefrauen und als Mitgift. Deshalb ist das Plündern von benachbarten Gemeinden unter den Pokots und anderen ethnischen Gruppierungen ein übliches Mittel zur Erweiterung der eigenen Viehherden. Meistens fallen diesen Aktionen unschuldige Menschen zum Opfer.

Angesichts der Vorfälle von schlimmer Gewalt und Ausplünderungen bildeten sich drei Friedenskreise in Kabarnet, Sandai (Bogoria) und Marigat mit insgesamt 48 Frauen aus den Gemeinden Tugens, Endorois und Ilchamus, um über die grundlegenden Zusammenhänge und Ursachen der Vorfälle zu informieren und die Frauen zu Friedensstifterinnen auszubilden. Nachdem der erste Friedenskreis in Baringo stattgefunden hatte, baten die Frauen darum, die Urkunden einzubehalten und erst später bei einer Zusammenkunft aller drei Gruppen zu überreichen. So würden sich alle kennenlernen und miteinander arbeiten können. Wir stimmten dem zu und können nur bestätigen, dass dies die richtige Entscheidung war. Ausserdem konnte somit ein Abgeordneter der Bezirksversammlung (MCA) von Marigat, Herr Wesley, und einige Medienvertreter an der Versammlung teilnehmen und die Frauen haben bewiesen, dass sie etwas in Bewegung setzen konnten. Coretta Scott King sagte einst: „Ich bin davon überzeugt, dass alle Frauen auf der Welt, zusammen und unabhängig jeglicher nationaler oder ethnisch bedingter Herkunft, zur stärksten und mächtigsten Kraft für internationalen Frieden und Brüderlichkeit werden können.“

In alle unsere CoP-Trainingsprogramme wurden und werden die lokalen Verwaltungen und Vertreter der jeweiligen Gemeinden involviert. In Baringo war Herr Wesley vor Ort, um den 48 Teilnehmerinnen aller drei Gruppen ihre Urkunden auszuhändigen. Die 48 Frauen haben bei ihrem Abschlusstreffen alle bestätigt, dass mangelnde Sicherheit, Viehplünderungen und Morde zu den größten Herausforderungen in der Gegend zählen. Im Beisein von Herrn Wesley haben die Frauen beschlossen, die östliche Pokot-Gegend zu besuchen, da diese am schlimmsten von den Viehplünderungen betroffen ist und mit den Leuten vor Ort gemeinsam eine anhaltende Lösung für den scheinbar endlosen Konflikt anzustreben.

Die Frauen entschlossen sich zu einem traditionell-kulturellen Zugang der Friedensstiftung und ihren „Geburtsgürtel“ (birth belt) öffentlich sichtbar zu tragen. Diese Gürtel werden von den Frauen nach einer Geburt getragen und haben eine besondere Bedeutung: Frauen, die diesen Gürtel sichtbar tragen, signalisieren, dass sie ernst genommen werden müssen und dass die Männer aus der Gemeinde verdammt sind, wenn sie dennoch weiter plündern. Bevor die Frauen allerdings zu dieser Maßnahme gegriffen haben, hatten sie vereinbart, einen gemeinsamen Friedenskreis in East Pokot zu organisieren. Sie wollten erfahren,  was die Frauen in Pokot vor Ort erleben, um sich dann gemeinsam für den Frieden einsetzen zu können.

Der Vetreter der County Assembly von Marigat, Herr Wesley, war sehr beeindruckt von der Arbeit der CoP-Friedensstifterinnen und hat ihnen angeboten, einige Teilnehmerinnen zu einem Treffen mit dem Bezirksgouverneur mitzunehmen. Bei diesem Treffen sollten sie den Gouverneur davon überzeugen, die Arbeit der Frauen zu unterstützen, damit mehr Peace Circles im Bezirk stattfinden können. Dieses Treffen fand schließlich zum vereinbarten Termin statt und ein kleines CoP-Team traf mit dem Baringo-Gouverneur zusammen. Dieser war von der Arbeit der CoP-Friedensstifterinnen sehr angetan und bat sie, einen Vorschlag zur finanziellen Unterstützung auszuarbeiten. Wir hoffen inständig, dass hieraus etwas Positives erwächst.

Am 22. August kamen alle Frauen noch einmal zusammen und erhielten ihre Zertifikate. Sie diskutieren ausserdem, was sie für Baringo County tun könnten. Weitere Mitglieder von IofC Kenia waren ebenfalls anwesend.

Die Moderatorinnen der Friedenskreise in Baringo waren Annie Gitu und Mediatrix Masava.

Wir danken dem Irene Prestwitch-Fond (IPT) für die finanzielle Unterstützung, die diese Friedenskreise ermöglicht hat.

Bericht von Mediatrix Masava & Njeri Kimanthi

Deutsche Übersetzung: Maren Priewe