Darnellas Dilemma und der Kern von Initiativen der Veränderung

Darnellas Dilemma und der Kern von Initiativen der Veränderung

Dienstag, 6. April 2021
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Der Teenager, dessen Film über den Tod von George Floyd weltweite Proteste auslöste, sagt, sie "kann nicht einschlafen und entschuldigt sich" bei ihm dafür, "nicht mehr getan zu hahben". Darnella, jetzt 18, war eine von vier jungen Zeuginnen und Zeugen, die am zweiten Tag des Prozesses gegen Derek Chauvin in den Zeugenstand traten. Ich bin sicher, dass wir uns alle mit dem Schmerz identifizieren können, den sie empfinden muss. Aber wie könnte das mit Initiativen der Veränderung (IofC) zusammenhängen?


Geschichten erzählen, um Verbindungen zu schaffen

Als 2005 in der Londoner U-Bahn Bomben explodierten, die 52 Menschen töteten, löste dies in Grossbritannien starke nti-muslimische Reaktionen aus. Ich lernte Musa Aliyu kennen, einen jungen nigerianischen muslimischen Studenten, der darüber genauso besorgt war wie ich. Wir beschlossen, als Teil eines Programms, das ich koordinierte, gemeinsam in die Oberstufenklassen von Schulen zu gehen, um ein anderes Bild von Zusammenarbeit und gemeinsamen Zielen zu vermitteln. Wir besuchten insgesamt sechzig Schulen.

 

Musa Aliyu and Howard Grace on a school visit

 


Eine Geschichte, die Musa oft erzählte, war über seine Arbeit als Journalist, als bei gewaltsamen Zusammenstössen in Nigeria über 50.000 Menschen getötet wurden. Als er eine Reportage machte, griff ein muslimischer Mob ein christliches Mädchen an. Es sah so aus, als würde sie getötet werden. Musa, selbst Muslim, liess seine Kamera und seinen Notizblock liegen und griff ein. Das Mädchen wurde gerettet, aber dabei wurde Musas Arm gebrochen und er wurde fast geköpft, bevor er selbst gerettet wurde. In den folgenden zwei Jahren fühlte er sich durch dieses Erlebnis traumatisiert.

Die Schülerinnen und Schüler, die wir in den Schulen oft in Gruppen von 100 bis 150 Personen trafen, waren beeindruckt und herausgefordert von dem, was Musa erzählte, und dem Mut, den sein Handeln erfordert haben muss. Einige reflektierten über ihre eigenen Erfahrungen mit inneren Kämpfen, die nicht wirklich mit dem, was Musa erzählt hatte, in Verbindung zu stehen schienen, ihnen aber irgendwie durch den Austausch wieder wichtig geworden waren.

Ich erkannte die Kraft von Geschichten, die Erfahrungen zeigen, mit denen wir uns alle identifizieren können. Man muss nicht muslimischen oder christlichen Glaubens, Atheistin oder Atheist, weisser oder schwarzer Hautfarbei sein, um sich mit dem inneren Kampf zu identifizieren, mit dem Darnella konfrontiert ist. Aber ich vermute, dass wir alle in ihrer Situation das Gefühl hätten, sie hätte kaum anders handeln können.


Im Zentrum: Menschlichkeit

Für mich weisen Geschichten wie diese auf den spirituellen Kern von Initiativen der Veränderung hin, bei dem es mehr um spirituelle Erfahrungen als um eine Glaubensdoktrin geht. Das Leben des Gründers von Initiativen der Veränderung, Frank Buchman, wurde verändert, als ihm sein egozentrischer Stolzes durch eine Vision von Jesus am Kreuz deutlich wurde.

Diese Erfahrung der Veränderung befreite ihn von seiner Wut auf bestimmte Menschen und führte ihn auf eine Reise, die einen grossen Einfluss auf die ganze Welt hatte. Er war bereits engagierter Christ, so dass es bei dieser Erfahrung nicht um eine Glaubensbekehrung ging. Manche der Menschen, die sich anschliessend ihr Leben lang dafür engagierten, in der von ihm gegründete Organisation zu arbeiten, gehörten anderen Religionen an, glaubten nicht an Gott oder, wie in meinem Fall, standen jeglicher Religion anfangs sehr feindselig gegenüber.

Einige meiner Kolleginnen und Kollegen mögen das, was mit Buchman geschah, anders sehen als ich. Ich sehe es inzwischen so, dass dieser Weg der Veränderung, mit dem ich mich selbst identifizierte, eine menschliche Erfahrung war, in der sich jeder und jede von uns wiederfinden kann. Es war weder eine christliche, noch eine muslimische, noch eine buddhistische, atheistische oder irgendeine andere Erfahrung. Es war schlicht eine menschliche Erfahrung.

Es gibt zahlreiche andere Beispiele von Menschen, die sich ihrem persönlichen Dilemma stellen, wie etwa Irene Laure ihrem Hass auf die Deutschen. Aber wo immer wir Menschen wie Darnella, Musa, Buchman oder Irene Laure begegnen, die sich ihren inneren Kämpfen stellen, entdecken wir auch den Kern von IofC. Dies mag innerhalb von Initiativen der Veränderung geschehen oder im Laufe der grossen Vielfalt des Lebens, bei der wir uns alle als menschliche Wesen begegnen.

 

Wir ermutigen Menschen, der Fragen nach Brücken des Vertrauens über die Gräben der Welt hinweg auf die Spur zu gehen. Bei IofC sind wir der Meinung, dass der erste Schritt zu einer globalen Veränderung eine persönliche Veränderung ist. Diese geschieht, indem wir unsere eigenen Motive und Verhaltensweisen in Frage stellen. Wir laden Sie ein, mehr über uns zu erfahren und darüber, wie Sie sich bei IofC engagieren können. Sie können sich dabei gerne an Ihr lokales IofC-Team wenden! Wir freuen uns auf Sie!

 

 

 


Howard Grace

 

Howard Grace arbeitete nach seinem Physikstudium in den 1960er Jahren 14 Jahre lang als Vollzeitmitarbeiter bei IofC. Er war fünf Jahre in Indien und Australasien und vier Jahre lang während der Apartheid in Südafrika tätig. Nachdem er mit der Sicherheitspolizei in Konflikt geraten war, kehrte er 1979 nach Grossbritannien zurück, liess sich zum Lehrer ausbilden und unterrichtete 15 Jahre lang Mathematik. Howard gründete und leitete ein Programm, das in Hunderten von Sixth Forms-Klassen (16-18 Jahre) in ganz Grossbritannien Workshops zu Themen wie dem Sinn des Lebens und Motivation durchführte. Er war ausserdem Teil des Lehrkörpers für "Foundations for Freedom", arbeitete hierfür in fünf osteuropäischen Ländern und nahm an Einsätzen in China, Sri Lanka und Indien teil. Er ist weiterhin in einer Vielzahl von Aktivitäten aktiv, insbesondere im Zusammenhang mit Frieden und spiritueller Motivation, und wurde 2019 der Newbury-Koordinator des Progressive Christianity Network UK. Howard ist zudem Produzent des Films "Beyond Forgiving".  

 

 

HINWEIS: Menschen aus vielen Kulturen, Nationalitäten, Religionen und Glaubensrichtungen sind bei Initiativen der Veränderung aktiv. Diese Kommentare stellen die Ansichten des Verfassers dar und nicht unbedingt die von Initiativen der Veränderung als Ganzem.