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Dialog als Methode zum Vertrauensaufbau in der Ukraine

10-11 Oktober 2014, Novohrodivka stadt, Donezk oblast, Ukraine

Dienstag, 21. Oktober 2014

Dialog als Methode zum Vertrauensaufbau in der Ukraine

‚Jede Form von Gewalt ist ein tragischer Ausdruck unserer unerfüllten Bedürfnisse' — Marshall B. Rosenberg

Eine Gruppe in gewaltfreier Kommunikation ausgebildeter Vermittler hat am 16. Oktober im Bezirk Donetsk/Ukraine einen Dialog zwischen Vertretern der örtlichen Kommune und Grenzschutzbeamten moderiert. Dialog wird bei drohenden oder aktuellen Konfliktsituationen als Kommunikations- und Vertrauensbildungsinstrument eingesetzt.  Der Dialog im Bezirk Donetsk wurde von Lada Kanevska und Oleksa Stasevych, den Vertreterinnen der Stiftung für die Freiheit INGO (Ukraine) sowie Duke Duchscherer, einem qualifizierten Ausbilder des Internationalen Zentrums für Gewaltfreie Kommunikation (USA) durchgeführt. Der nachstehende Bericht von K. Antonov liefert weitere Einzelheiten.

Die jüngste Ankunft und Unterbringung der Militärs (die sich dann als Grenzschutztruppen entpuppten) in Novohrodivka, einer 15 Kilometer von der Sonderzone zur Terrorismusbekämpfung entfernt liegenden Kleinstadt im Bezirk Donetsk, führte zu Gerüchten und Tratsch bei den Stadtbewohnern. Dies wiederum verursachte gesellschaftliche Spannungen. Gerechterweise muss darauf hingewiesen werden, dass sich die Armeeoffiziere durchaus Mühe gaben, der Stadtverwaltung und den Einheimischen den Zweck ihrer Anwesenheit zu erklären und zudem Sicherheitsgarantien und eine friedliche konfliktfreie Nachbarschaft anboten. Dennoch kam es zu einem Missverständnis, und es war schwierig, effektive Interaktion zwischen beiden Seiten herzustellen.

Duke Duchscherer (USA), ein qualifizierter Ausbilder des Internationalen Zentrums für Gewaltfreie Kommunikation, Lada Kanevska (Kyiv), eine erfahrene Mediatorin, Vermittlerin und Ausbildungsleiterin, sowie Oleksa Stasevych (Lviv), Leiterin des ukrainischen Aktionsprogramms „Healing the Past” der Stiftung für die Freiheit INGO boten in dieser spannungsreichen Situation ihre Hilfe an.Експерти з ненасильницької комунікації у Новогродівці, Донецька обл.

Gewaltfreie Konfliktlösung findet weltweit immer größere praktische Anwendung. Der Erfinder der gewaltfreien Kommunikationsmethode ist Marshall Rosenberg, ein amerikanischer Psychologe, der in den sechziger Jahren sein eigenes System der gewaltfreien Kommunikation entwickelte und in den achtziger Jahren das Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation gründete. Die Ausbilder und Dozenten seines Zentrums bereisen die Welt mit ihren Konfliktlösungsvorschlägen. Sie stützen sich dabei auf gewaltfreie Kommunikationsmethoden und bieten konkrete Unterstützung bei Mediationsversuchen an. Diese besondere Form der Mediation bedarf der Leitung durch Vermittler and andere Fachleute, deren Aufgabe es ist, erfolgreiche Gruppenkommunikation zu garantieren.

Die nach Novohrodivka gekommenen Vermittler schafften es, pro Tag vier anspruchsvolle Sitzungen abzuhalten, an denen die folgenden Gruppen beteiligt waren: Bürgervertreter, die Grenzschutzkommandozentrale und die Grenzschützer selbst. Außerdem gab es eine Gruppe mit Vertretern beider Seiten.

Die Einheimischen brachten ihre Belange vor, indem sie Karten auswählten, auf denen Wörter wie ‚Frieden‘, ‚Freundschaft‘, Zusammenarbeit‘, ‚Gleichberechtigung‘, ‚Präsenz‘, ‚Sicherheit‘ und ‚Ordnung‘ standen, während die Grenzschützer ‚Vertrauen‘, ‚Fürsorge‘, ‚Einvernehmen‘ und ‚Respekt‘ wählten.  Die Verwendung der Karten gab den Beteiligten die Möglichkeit, sich gegenseitig besser zu verstehen.Представники громади міста Новогродівки під час діалогу

Alle erhielten sowohl die Gelegenheit, sich selbst zu äußern, als auch von allen Teilnehmern des Dialogs gehört zu werden. Es stellte sich heraus, dass das Ideengut beider Seiten sehr ähnlich war: die Bürgervertreter brauchten Frieden, Sicherheit und Schutz, und die Grenzschutzbeamten fügten diesen Gedanken ihre eigenen von Frieden, Vertrauen und Zusammenarbeit hinzu.  Der für alle Beteiligten gültige Schlüsselbegriff war ‚Frieden’.Діалог між громадою та військовими у Новогродівці

Dialog zwischen der örtlichen Kommune und den Militärs in Novohrodivka 

Am Ende des Dialogprozesses schien das Problem gelöst zu sein, und die Spannungen, die durch die Anwesenheit der Miliärs in der Stadt entstanden waren, wurden aufgelöst. Dennoch war das Ziel damit nur zur Hälfte erreicht. Um eine wirksamere Kommunikation herzustellen, entschied man sich für die Erstellung eines gemeinsamen Aktionsplans zwischen der örtlichen Kommune und den Grenzschützern.

Der Dialog endete damit, dass den Experten und Vermittlern für die Berücksichtigung der örtlichen Probleme gedankt wurde, und auch für die wertvolle Zeit, die man miteinander auf solch nützliche und fruchtbare Weise verbracht hatte. Damals wie heute benötigt die ukrainische Gesellschaft ganz eindeutig eine wirksame Verständigung.  Die Notwendigkeit des Dialogs ist heute vordringlicher denn je. Es sei gehofft, dass die Grundlage dafür weder Gewehrsalven noch automatisches Dauerfeuer sein werden, sondern stattdessen auf gewaltfreie Kommunikation zurückgegriffen wird.

K. Antonov, Novohrodivka, Bezirk Donetsk in der Ukraine

Deutsche Übersetzung: Birgit Piegeler-Hughes

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