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Filmvorführung von Beyond Forgiving und Diskussion über geistliche Grundlagen in London

Donnerstag, 17. Dezember 2015
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Filmvorführung von "Mehr als Vergebung" (Beyond Forgiving) und Diskussion über geistliche Grundlagen bei Veranstaltung mit der Londoner Zentralmoschee und dem Islamischen Kulturzentrum

"Durch den Vergebungsprozess wird der Andere entmystifiziert - das Gegenüber wird menschlicher, genau wie es der Film zeigt.", sagte ein Zuschauer bei der Veranstaltung, die am 19. November von Initiativen der Veränderung (IofC), der Londoner Zentralmoschee und dem Islamischen Kulturzentrum organisiert wurde.

The audience at Interfaith WeekAm 19. November 2015 kamen mehr als 40 Menschen nach St George's Square im Stadtzentrum von London, um die Interfaith-Woche (15. - 21. November 2015) zu feiern. Schwerpunkt der Veranstaltung war ein Austausch zu verschiedenen religiösen Traditionen. Ein Glaubensführer jeder Religion hatte die Möglichkeit, über Vergebung und Gedult zu sprechen. Unter den Sprechern gefanden sich Rabbinerin Baronin Julia Neuberger (Leitende Rabbinerin der Westlondoner Synagoge und Mitglied des britischen Oberhauses), Dr. Alhagi Drammeh (Interfaith-Koordinator der Londoner Zentralmoschee) und Reverend Lusa Nsenga-Ngoy (Vikar in St Aidan's/Gravesend und Berater des Bischofs von Rochester über Minoritäten und ethnische Angelegenheiten.

Howard Grace (IofC) stellte den preisgekrönten IofC-Film "Beyond Forgiving" vor. Er sprach über die Zeit, als er und seine Frau Maria in Südafrika arbeiteten und Freunde unterschiedlichster Rassenabstammung, die sich für IofC engagierten, dabei unterstützten, zu einem friedlichen Wandel des Apartheid-Systems beizutragen. 

Howard hob hervor, "Beyond Forgiving" habe eine universelle Botschaft, die vor allem heute von Bedeutung sei angesichts der Terroristenattacken in Paris und Beirut, die sich nur wenige Tage vor dem Event ereignet hatten. "Was ist die Antwort der Welt angesichts dieser Angriffe? Die Protagonisten des Films, Ginn und Letlapa, bieten vor einem anderen Hintergrund eine Antwort.", erklärte er. 

Beyond Forgiving ist ein Film, der berührt. Es ist ein Film über persönliche Tragödien, politische Spannungen, Dämonisierung und vor allem ein Film über Versöhnung, Geduld und Vergebung angesichts grosser Kämpfe. Es ist ein hoffnungsvoller und inspirierender Dokumentarfilm und das Publikum war sich einige, dass diese Qualitäten in unserer heutigen Zeit der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung von grosser Bedeutung seien.

Howard Grace introducing Initiatives of Change’s award winning film ‘Beyond Forgiving’ Nach dem FIlm wurde vertieft auf die Themen eingegangen, die im Film angesprochen worden waren und die Zuschauer stellten den Sprechern Fragen zur Interpretation und dem Verständnis göttlicher Ideale. Eine Frau sagte: "Ich bin Muslimin und das sieht man und ich fühle mich jeden Tag verletzlich. Wir brauchen alle ein tieferes Verständnis und mehr Toleranz gegenüber Menschen, die anders sind als wir. Das hat der Film gezeigt."

Die drei Glaubensführer argumentierten auf der Grundlage spiritueller Werte und sprachen über Dialog, den Austausch heiliger Texte verschiedener religiöser Traditionen und das Angebot, diese Texte als gelebte Richtlinien zu Vergebung und Geduld unter die Lupe zu nehmen.

Erster Redner war Dr. Drammeh. Drammeh hat sowohl Politik- als auch Islamwissenschaften studiert und hat durch seine Spezialgebiete im Bereich der Humanwissenschaften viel Erfahrung gesammelt, vor allem in islamischem Denken. "Meiner Meinung nach bedeutet Vergebung, auf sein Recht auf Rache zu verzichten. Hätte sich Nelson Mandela gerächt, wo wäre Südafrika heute? In meiner Religion vergibt man um Gottes Willen." Reverend Nsenga-Ngoy sprach aus christlicher Perspektive und erklärte: "Vergebung bedeutet Aussöhnung mit Gott und die Erneuerung unserer Beziehung zu anderen. Der Andere wird dabei in den Mittelpunkt gestellt. Es geht um Beziehungen und Heilung. Rabbinerin Neuberger fügte hinzu: "Wir alle suchen Vergebung durch Gott. Dies ist eine tiefgehende spirituelle Reise und ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen sie brauchen."

Speakers included Rabbi Baroness Julia Neuberger (Senior Rabbi at West London Synagogue and cross bench member of the House of Lords), Dr Alhagi Drammeh (Interfaith Coordinator London Central Mosque) and Reverend Lusa Nsenga-Ngoy (Vicar of St Aidan’s, Gravesend and advisor to the Bishop of Rochester on Minority Ethnic Anglican concerns). Es gibt in verschiedenen Glaubensrichtungen Gemeinsamkeiten zu Vergebung, dennoch gibt es auch leichte Unterschiede. Rabbinerin Neuberger kommentierte, "Juden glauben nicht daran, dass man für andere vergeben kann. Daher ist es für mich schwierig, dass Ginn Letlapa im Namen ihrer Tochter vergibt." Neuberger erzählte den Zuschauern die Geschichte eines Holocaust-Opfers, das einem Mann 'vergab', der am Tod von 300 000 Menschen mitschuldig war. "Viele Juden fanden dies schwierig - das Opfer konnte ihm vergeben, aber nicht im Namen anderer."

Neuberger sprach über den wichtigen Unterschied zwischen den beiden englischen Begriffen "reconciliation" und "conciliation". Consiliation sei einseitig, bei  reconciliation seien beide Seiten in Frieden. "Ich habe das Gefühl, Ginn befindet sich eher im Lernprozess (um den Tod ihrer Tochter zu verarbeiten) als in einem Vergebungsprozess."

"Wir alle müssen diese Werte der Vergebung und der Geduld in unseren Kindern wecken, über unsere Volksgruppe hinaus, in der Politik und wir müssen sie in die Praxis umsetzen.", erklärte Drammeh.

Ein Zuschauer fragte die Sprecher: "In welchem Bezug stehen Versöhnung und Vergebung zu Justiz und Vergeltung?" Lusa erklärte, bei Erlösung gehe es darum, zu heilen und Busse zu tun. Neuberger sagte: "Man muss sich der Justiz stellen. Das ist ein Teil davon. Diese beiden Aspekte sind unterschiedlich, doch sie gehen Hand in Hand."

T shirts at Interfaith Week in LondonDie Zuschauer teilten sich anschliessend in kleine Gruppen auf, um über ihre persönlichen Erfahrungen mit Geduld und Vergebung zu sprechen und darüber auszutauschen, was ihnen bei der Podiumsdiskussion und dem Film wichtig geworden war. Dies war für viele ein Vorgeschmack zu einer Grundlagendiskussion über geistliche Schriften, die viele stimulierende Geschichten und die Möglichkeit der Refexion und tieferen Verständnisses bieten. Der Abend zeigte die Bedeutung des Storytelling, bei dem auf persönliche Erfahrungen zurückgegriffen wird, und konstanter Dialoge auf, um Heilung und die Entwicklung von Empathie zu ermöglichen.

Initiativen der Veränderung und die Londoner Zentralmoschee haben vor, im Frühjahr 2016 mit dem ebenfalls preisgekrönten IofC-Film "Der Imam und der Pastor" eine weitere Veranstaltung durchzuführen. 

Ein grosses Dankeschön an die St Georges-Kirche, die Nehemiah-Stiftung und die Westlondoner Synagoge, deren Grosszügigkeit und Beiträge diese Veranstaltung möglich gemacht haben.