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Just Governance

Korruption. Opposition. Versöhnung?

Konferenz "Gerechte Regierungsführung"

Dienstag, 15. Juli 2014

Korruption. Opposition. Versöhnung?

"Gerechte Regierungsführung" lautet das Thema der Konferenz, die diese Woche in Caux stattfindet. Doch hinter dem Titel verbirgt sich auch ein Traum, der für einige der Teilnehmer noch in weiter Ferne scheint.

Bei der Plenarversammlung war eine gewisse Erwartungshaltung im Raum zu spüren. Ernste, schmerzliche Wunden wurden aufgerissen, in der Hoffnung, Versöhnung zu finden.  Aber wie können offene Wunden der Vergangenheit ans Licht gebracht werden und in eine geheilte Verletzung umgewandelt werden? Dies war die Frage, die den Mitgliedern der Podiumsrunde, Joe Montville, Matthias Stiefel und  Lena Kashkarova, gestellt wurde und gleichzeitig auch der rote Faden des heutigen Tages darstellte. Montville betonte, es sei hart, in ehemaligen Krisenregionen Gerechtigkeit zu finden. Trotzdem müsse Gerechtigkeit erzielt werden, um zu beweisen, dass es ein System gibt, welches die Menschen schützt. Stiefel fügte hinzu, es gäbe nur einen Weg, um eine wahre Aussöhnung mit der Vergangenheit zu erreichen: der Einsatz von externen Mediatoren in einem neutralen Raum, so dass die Betroffenen das, was wirklich vor sich gehe, aufarbeiten könnten. Dies sei genau das, was in Caux diese Woche stattfände.

Participants from all over the world

Teilnehmer aus der Ukraine, der Krim, Russland und der Sahelzone (Mali, Niger, dem Tschad), der Türkei und Armenien) kommen diese Woche alle unter einem Dach zusammen und setzen sich mit Themen auseinander, die mit den jeweiligen Konflikten in  Zusammenhang stehen. Es ist hierbei unnötig zu erwähnen, dass bei Debatten eine gewisse Anspannung zu spüren ist.

Die ukrainische Aktivistin Hannah Hopko erzählte von ihrem Kampf gegen Korruption. Sie erklärte, die Revolution in der Ukraine hätte ein ruhiger Protest sein sollen, um für eine starke Ukraine mit europäischen Werten zu werben. Leider sei es aber zu mehr als 100 Todesfällen gekommen. Die Ukraine habe jetzt zehn neue Gesetze verabschiedet, die insbesonders eine transparentere Regierung anstrebten. Als Aktivistin organisiere sie Proteste, um die Regierung an ihre Verantwortung zu erinnern. Hopko betonte, es könne schwierig sein, Reformmaßnahmen einzuführen, da einige Leute eine mögliche Instabilität als Folge von Veränderung fürchteten.

Im Verlaufe des Tages wurden weiterhin Themen diskutiert, die sich mit dem östlichen Europa auseinandersetzen. Mustafa Dzhemilev, Anführer der nationalen Bewegung der Krim-Tataren  ("Crimean Tatar National Movement"), eine Bewegung, die in der Krim beheimatete Völker vertritt, sprach beim Seminar „Herausforderungen und Möglichkeiten im östlichen Europa“. Eingeführt als der "neue Gandhi'" in Anlehnung an seine Methode des ruhigen Protests, beschrieb er die Herausforderungen, denen sich diejenigen gegenüber sehen, die der russischen Herrschaft in Krim widersetzen. Er betonte, ihm selbst sei das Betreten der Region verboten.  Da sich im Publikum Teilnehmer aus der Krim, der Ukraine und Russland befanden, war die Spannung im Saal deutlich zu spüren, wobei es Unterstützung für beide Seiten gab.

Das Seminar mit dem Titel "Korruption überwinden in Regierung und Ressourcen", beschäftigte sich mit Problemen in der Sahelzone, von denen das Thema schwacher Regierungen, die sich dem Druck der Nachfrage von Drogen- und Menschenhändlern beugten. Die Teilnehmer brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, Treffen auf konstitutioneller Ebene zu organisieren, um Gruppierungen aus dem ganzen Land  zusammenzubringen, um Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und die Rolle der Zivilgesellschaft zu fördern und zu stärken.

IofC-Präsidentin Omnia Marzouk, Rama Mani und Yolande AmbianaDas Caux Künstler-Programm ging mit dem Thema „Konflikt“ auf künstlerische Weise um. Rama Mani und Yolande Ambiana gaben eine Vorstellung, bei der sie uns durch afrikanische und asiatische Poesie und Musik auf eine Reise vom Konflikt zur Konfliktlösung mitnahmen.

Die verschiedenen Ansätze, um Wunden der Vergangenheit, die in Caux zur Sprache gebracht werden, zu heilen, erinnern deutlich an einige der Herausforderungen, denen wir uns heute gegenübersehen und das dringende Bedürfnis nach friedensfördernden Dialogen.