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Leadership und Transparenz bei der Bekämfung von Korruption

Donnerstag, 18. März 2021
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"Korruption im großen Stil muss von denjenigen bekämpft werden, die in Führungspositionen, in Unternehmen und in Regierungen sitzen. Dies gilt besonders in einer Zeit, in der die COVID-19-Pandemie die Möglichkeiten für Korruption erhöht hat." Diese Aussage stammt von zwei Anti-Korruptions-Aktivisten bei einem Online-Forum, das am 12. März 2021 von Initiatives of Change in Business and the Economy veranstaltet wurde.

Machtmissbrauch

Jean-Pierre Mean

Jean-Pierre Mean, Unternehmensjurist und ehemaliger Leiter von Transparency International in der Schweiz, sagte, "der Missbrauch von Macht zur privaten Bereicherung" habe viele Gesichter: den Potentaten, der bei Infrastrukturprojekten abkassiert und Millionen oder Milliarden ins Ausland transferiert, den Polizisten, der Bargeld annimmt, um Verstösse gegen die Strassenverkehrsordnung zu übersehen, den Zollbeamten, der ein Bestechungsgeld annimmt, um Waren durch den Zoll zu bringen.

Dr. Mean, der den Vorsitz des ISO-Komitees innehat, das an der Norm für Anti-Bestechungssysteme arbeitet, warnte, die pandemische Gesundheitskrise habe es korrupten Akteuren ermöglicht, Bestechungsgelder einzusetzen, um Quarantäne zu vermeiden, und Beatmungsgeräte oder andere medizinische Geräte, die mit Sauerstoff in Verbindung stehen, könnten "Gegenstand von Bestechungsgeldern und Schmiergeldern" werden.

Er führte Beispiele an wie:

  • Krankenschwestern in Bangalore, die Bestechungsgelder von jungen Müttern erpressten, damit sie ihnen ihre neugeborenen Babys bringen.
  • Ein Mann in Uttar Pradesh, der das Feld seines Neffen wollte und einen Beamten bestach, um seinen Neffen für tot zu erklären, ein Vorgang, dessen Rückgängigmachung bis zu 20 Jahre dauern kann.
  • Ärzte in Serbien, die eine Vereinbarung mit einem Bestattungsunternehmer hatten, um das Leben von Patienten nicht zu verlängern.

'Der wichtigste Faktor bei der Gestaltung von Anti-Korruptionsmassnahmen ist Leadership', so Mean. Bei der Bekämpfung von Bestechung gehe es darum, eine Integritätskultur zu schaffen oder zu verstärken. Dies erfordere eine innere Überzeugung, die auf der höchsten Ebene der Organisation vorhanden sein müsse. Wenn sie nicht vorhanden sei, könne sie zwar entwickelt, aber nicht verordnet werden.

Transparenz als Werkzeug

Jonas Moberg

Jonas Moberg, von 2007 - 2018 Exekutivdirektor der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI), sagte, dass fünf Prozent des globalen BIP durch Korruption verloren gingen. EITI ziele darauf ab, Transparenz in die Öl-, Gas- und Bergbauindustrie zu bringen, einschliesslich einer öffentlichen Offenlegung der von Unternehmen an Regierungen gezahlte Summen. "Wenn wir wissen, wie viel in die Länder fliesst, können wir feststellen, ob Dinge schief laufen." Transparenz, sagte er, sei wie die Sonne, die als "das beste Desinfektionsmittel" wirke. Es sei schwer, dagegen zu argumentieren.

EITI sei aus der Erkenntnis erwachsen, dass es einen "Ressourcenfluch - ein Paradoxon des Überflusses" gebe. Länder, die reich an natürlichen Ressourcen seien, würden zum Brennpunkt für Korruption im grossen Stil. Ein "Jetstream von Geld" sei in Systeme geflossen, die damit nicht angemessen umgehen könnten. Die Wissenschaft habe in den 1990er Jahren begonnen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Dies habe zu Gesprächen zwischen Lord Browne, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von BP, und dem britischen Premierminister Tony Blair geführt. Grossbritannien habe die Initiative für einen globalen Ansatz ergriffen, der zur Gründung von EITI geführt habe.

Jean-Pierre Mean sagte, dass "es keinen Zweifel daran gibt, dass bei der Korruptionsbekämpfung Fortschritte gemacht wurden und sich die Einstellungen geändert haben". Korruption werde nicht mehr als notwendiges Übel angesehen, wie es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall gewesen sei. Korruptionsfälle nähmen jetzt täglich Platz in den Medien ein. Das solle nicht bedeuten, dass es mehr Korruption gäbe, sondern es sei eher ein Beweis dafür, dass Korruption nicht mehr toleriert würde.

Kollaboration gegen Korruption

Abschliessend erklärte Jonas Moberg, der ausserdem Co-Autor von "Beyond Governments - making collective governance work" ist, die "enorme Notwendigkeit bestehe darin, kollaborative Lösungen zu finden. Der Austausch am Tisch zwischen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ist unerlässlich. Wir müssen uns der Korruption von einer ganzen Reihe von Sektoren aus nähern".

Der Gastgeber der Veranstaltung, Antoine Jaulmes, Vorsitzender von IofC B&E, sagte: "Korruption behindert die wirtschaftliche Entwicklung der ärmeren Bevölkerungsschichten, was zu politischer Instabilität und Migrationen führt. Korruption macht die meisten Umweltvorschriften nutzlos und Korruption ruiniert das Vertrauen und jede Form von transparenter Berichterstattung und Kommunikation. Es steht also ausser Frage, dass Korruption eine grosse Bedrohung für eine grüne Politik und die Ziele der CO2-Reduzierung darstellt.'  

Diskussionen wie diese, bei denen die Ideenfindung durch unterschiedliche Perspektiven befeuert wird, machen IofC B&E einzigartig. Haben Sie einen Sinn für Business und es liegt Ihnen am Herzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Dann nehmen Sie an der nächsten Diskussionsreihe teil, die am 12. April  2021stattfinden.

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