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Bangalores Stromversorgungsunternehmen stöpselt sich ein bei Kraft der Veränderung

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Von Suresh Mathew und Dilip Patel

Sehen Sie hier das 27-minütige Video in englischer Sprache

Bescom-Linienarbeiter (Foto: Ashwini Kumar)Management-Ausbilder Dilip Patel war überrascht, als an einer Ampel ein Fremder an sein Autofenster klopfte und enthusiastisch darüber sprach, wie sich sein Familien- und Arbeitsleben durch einen dreitägigen Kurs, den Patel und sein Team von Initiatives of Change (IofC) in Bangladores Stromversorgungsindustrie durchgeführt hatten, dramatisch verbessert hätten. Die selbe Rückmeldung kam von einer Mannschaft in grünen Uniformen, die dabei waren, Äste von Bäumen aus Stromleitungen zu entfernen. Als sie Patel erkannten, kamen sie auf ihn zu und redeten über den Gewinn, den sie aus dem Parivarthana Dhaare (‘Ein Veränderungsprozess’)-Trainingsprogramm, das sie vor einem Monat durchlaufen hätten, gezogen hätten.

Sie gehörten zu den 12 000 Arbeitern, Aufsehern und leitenden Angestellten des Bangladore-Stromversorgungsunternehmen (BESCOM), die im vergangenen Jahr von Fortbildungsprogramm von IofC profitierten. Und die zur Zeit die zweite Phase in Form von eintägigen Auffrischungskursen durchlaufen, in denen Themen wie Verantwortlichkeit gegenüber der Öffentlichkeit und Sicherheit angesprochen werden.

(Foto: Ashwini Kumar)BESCOM, ein Unternehmen der öffentlichen Verwaltung, ist der Hauptstromversorger des Staates Karnataka in Südindien. Dieser "Prozess der Veränderung" wurde von seinem Geschäftsführer, Tushar Girinath, in die Wege geleitet. Der leitende Bürokrat aus dem Elite-Corps von IAS (der indischen Verwaltung) hatte im Jahr 2006 an einem der "Ethics in Public Governance"-Programme (Ethik in der öffentlichen Verwaltung), die in Asia Plateau, dem IofC-Zentrum im westlichen Indien abgehalten werden, teilgenommen.

Es machte einen tiefen Eindruck auf ihn. Er, der als harter, leistungsfähiger Direktor bekannt war, veränderte sich und wurde ruhiger und nachdenklicher und brachte die Veränderung auch in seine Familie. Tushar war von seiner Erfahrung so überzeugut, dass er sich bemühte, diese Erfahrung der Veränderung seinen Kollegen und den Mitarbeitern von BESCOM zu Gute kommen zu lassen.

Sarosh Ghandy, Direktor von IofCs Fortbildungszentrum für ethische Führung (Centre for Training in Ethical Leadership) und die IofC-Mitarbeiter Dilip Patel, Saju Kurian und Suresh Mathew wurden zu Vorgesprächen eingeladen, wo er ihnen seine Ideen für ein zweigliedriges Programm vorstellte, um in seiner Firma eine positive Veränderung zu bewirken.

Tushar wollte auf jeden Fall, dass wir dreitägige Workshops durchführen, deren Themen wie persönliche Herausforderungen, Verhaltensdynamik und gesunder Lebensstil angesprochen würden, um eine kulturelle Verschiebung in der Einstellung seiner Angstellten zu initiieren.

Es war ihm bewusst, dass Organisationen im öffentlichen Sektor keinem wahren Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind, da die Angestellten sich ihrer Arbeitsplätze sicher sind und Verantwortlichkeit nach aussen nicht enorm wichtig ist. Der Schneeballeffekt, besteht in halbherzigem Kundendienst, schlechtem ethischen Verhalten und Ineffizienz durch die Enthebung von professioneller Verantwortung.

Er überzeugte seinen Hauptgeschäftsführer HRD Satya Prem Kumar, der diese Aufgabe mit grossem perönlichem Eifer übernahm.

Leitende Angestellte aus dem Ingenieursbereich, dem Büro, der Buchhaltung und der Personalabteilung sowie Gewerkschaftsführer wurden für die Fortbildung in Asia Plateau ausgewählt, während den leitenden Angestellten aus der mittleren Ebene (Stellvertretende Manager, Aufseher und Buchhalter) ein ähnliches Training auf dem Kampus des Ökumenischen Christlichen Zentrum in Bangladore angeboten wurde. Seit 2007 wurden über eine Zeitspanne von 2 Jahre hinweg 90 leitende Angestellte und 300 Assistant Managers (Assistenten des Managements) fortgebildet.

Die Veränderung in der Arbeitsatmosphäre waren deutlich spürbar.

(Foto: Ashwini Kumar)Girinath bemühte sich danach darum, die selbe Erfahrung mehr als 11 700 Angestellten zu Gute kommen zu lassen, unter anderem Linienarbeitern, Angestellte, die die Zähler ablesen und junge Assistenten.

Die Teilnehmer sollten Angestellte am unteren Ende der Pyramide sein, was 92% von BESCOMs Arbeitskraft ausmacht. Sie hatten sprichwörtlich keine formelle Bildung und noch nie an einem solchen Trainingsprogramm teilgenommen. Sie kannten nur die Umgangssprache (Mundart) und waren kaum daran motiviert, etwas zu verändern.

IofC hatte keinerlei Vorerfahrung, in dieser Grössenordnung Workshops durchzuführen.

Das Programm wurde auf die grundlegenden Wünsche jeden Menschen ausgelegt, gesünder, glücklicher und erfolgreicher in seinem Leben (und nicht nur an seinem Arbeitsplatz) zu sein. Dies veränderte ihre Perspektiven und sie nahmen alle enthusiastisch am Programm teil, indem sie ihrer Möglichkeiten zu mehr Gesundheit, Glück und Erfolg bewusst wurden.

Unter den Seminarleitern waren Ärzte, Managementprofessoren und leitende Bankangestellte in Rente. Alle waren von der Leidenschaft erfüllt, etwas zu verändern.

Ein intensives Training begann.

Über einen Zeitraum von 9 Monaten durchliefen alle Arbeitskräfte das speziell zusammengestellte Programm "Parivarthana Dhaare", an dem jeder drei Tage teilnahm, je nachdem, wo er sich befand. BESCOMs Management wandte sich an Schulen, Colleges, Gemeindezentren und Clubs, um Ausbildungsorte zu finden. Gruppen wurden gebildet, um einen minimalen Arbeitsausfall zu garantieren. 

Zu jedem Zeitpunkt  waren drei bis sechs Klassenräume mit jeweils 60 Teilnehmern besetzt. Fortbildungen fanden in sieben ländlichen und städtischen Bereichen von Bangladore statt.

Bescom-Linienarbeiter (Foto: Ashwini Kumar)Das Ergebnis war wirklich überraschend. Die Anstösse von IofC, auf die innere Stimme zu hören und nach Reinheit, Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit und Liebe zu suchen wurden so praktisch wie möglich vorgestellt, um sie dazu zu inspirieren, sich für eine bessere Art zu leben zu entscheiden. Hunderte gaben das Rauchen und Trinken auf. Tausende beschlossen, ihre Gesundheit in die Hand zu nehmen nd begannen mit Übungen/Spaziergängen/Sport.

Interaktive Prozesse wurden entwickelt, Spiele wurden geschaffen; die letzte halbe Tag war dafür bestimmt, sie durch Dialoge mit Bedeutung die Beziehung zu ihren Vorgesetzen zu verbessern.

Techniken zum Umgang mit Aggressionen weckten grosses Interesse, ebenso wie Akupunktur für kleinere gesundheitliche Probleme.

Sathya Prem Kumar, Hauptgeschäftsführer der Personalabteilung, nahm an der Eröffnungs- und Abschlussfeier von mehr als 80% der 170 Workshops teil. Das Management legte es mit voller Absicht darauf an, von den Angestellten mehr über Mängel oder Fehler der Firma in den Bereichen Material, Sicherheit und Abläufen zu erfahren. Es sprach direkt 19 von 23 Hauptthemen, die zu Tage kamen, an und verstärkte so das Ausmass an Vertrauen der Arbeitskräfte.

Aber das grösste, nicht fassbare Ergebnis machte sich im Leben der Angestellten und Manager bemerkbar - wie die Linienarbeiter, die Patel enthusiastisch davon berichteten, was sich verändert hatte. Oder 'Rajau', ein Linienarbeiter, der am ersten Tag den Klassenraum unter Alkoholeinfluss betrat. Drei Tage später rührte er keinen Tropfen Alkohol mehr an. Vier Monate später war er zu einem tüchtigen Linienarbeiter geworden und hat dadurch, dass er keinen Alkohol mehr kauft, genug gespart, dass er einen Farbfernsehr und ein neues Bett für sein Haus kaufen konnte.

BESCOM hat IofC um einen eintägigen Auffrischungskurs für alle seine Arbeitnehmer gebeten - dieses Mal für einen Austausch der Teilnehmer mit den Kursleitern darüber, was sie im vergangenen Jahr persönlich und beruflich gelernt haben und um Sicherheits- und Dienstleistungsthemen anzusprechen.

27-minütiger Film mit Zitaten von Teilnehmern und Kursleitern des "Parivarthana Dhaare"-Programmes (in 3 Teilen siehe unten auf YouTube zu sehen).