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Fäden der Veränderung weben

Donnerstag, 26. Juli 2012

Fäden der Veränderung weben: Ein Zusammentreffen von Herz und Verstand bei der Abschlussveranstaltung der Caux-Konferenz "Vertrauen und Integrität in der Weltwirtschaft"

von Yasin Choudhary und Sophie Durut

"Wer ist in Caux der Anführer?", fragte Louie Gardiner, Unternehmensberaterin aus Schottland bei der Abschlussveranstaltung der Konferenz "Vertrauen und Integrität in der Weltwirtschaft", die am 23. Juli 2012 in Caux/Schweiz stattfand. Sie stellte an der Seite von Dr. Glenda Eoyang, der amerikanischen Gründerin und Leiterin des Human Systems Dynamics Institute Konferenzresultate vor. Beide ermutigten die Konferenzteilnehmer, sich darüber auszutauschen, was die Konferenz ihnen gebracht hätte und was sie mit nach Hause nehmen würden.

(Foto: Mélanie Courvoisier)Gardiner und Eoyang sprachen von einer Reihe von "Saat-Verhalten": Charakteristika, die das Publikum gemein hat und die auf Grund der verschiedenen Interaktionen im Laufe der Konferenz zum Vorschein kamen. So sei beispielsweise einer der Hauptwerte, die vielen - sowohl als Einzelperson als auch als Gruppe - wichtig seine, "geben und nehmen, dienen und bedient werden", erklärten sie.

Nach einer kurzen Übung zum persönlichen Nachdenken wurden die Teilnehmer aufgefordert, sich darüber auszutauschen, wie die Konferenz sie persönlich beeinflusst habe. Ein Teilnehmer sagte: "Ich sehe jetzt klarer und wurde durch den Geist von Caux ermutigt. Ich habe erkannt, dass ich etwas verändern kann und dass diese Veränderung mit mir beginnen muss." Ein anderer meinte: "Etwas, was ich in dieser Woche gelernt habe, ist: Was wir nicht gemeinsam haben, ist der Verstand. Und was wir gemeinsam haben, ist das Herz."

In Gesprächsgruppen wurde weiter auf diese Wortwahl eingegangen und die Schlussfolgerung war: "Caux ist ein Ort, an dem man seine Identität loslassen kann." Gardiner erklärte hierzu, konstruktive Diskussionen kämen dort zustande, wo das eigene Ich beiseite gestellt würde, um Platz für Gleichheit zu machen. "Durch das Loslassen der eigenen Identität bei gemeinsamen Aktionen, bei denen berufliche Positionen nichts mehr bedeuten, konnten die Teilnehmer jeden Einzelnen als Person ansehen, der Veränderung bewirken kann. Für einige war die Konferenz in Caux eine Gelegenheit, an gewissen Werten wie Vergebung oder Solidarität zu arbeiten. Indem sie sich auf den Geist von Caux konzentrierten, konnten alle Teilnehmer herausfinden, welches Saat-Verhalten ihm am nächsten ist.", erklärte sie. Die beiden identifizierten noch weitere "Saat-Verhalten": Verantwortung übernehmen, sich Zeit für Stille und Nachdenken nehmen, Ressourcen ausschöpfen, aus jeder Interaktion lernen und austauschen und Urteilen in Neugier umwandeln - was von den Teilnehmern als am schwierigsten angesehen wurde. Im Anschluss daran erfolgten eine Präsentation über die Caux-Plattform, ein Treffpunkt, wo die Teilnehmer sich über Entscheidungen zu weiteren Aktionen austauschen konnten und eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse der sechs Hauptarbeitsschwerpunkte der Konferenz.

Glenda Eoyang erkläuterte die Tatsache, dass die Caux-Konferenzen eine Chance seien, über ein "globales Denken" hinauszugehen, in das jeder seine Ideen einbringt, um ein "globales Herz" zu schaffen. Ein wichtiger Punkt, den das Publikuö ansprach, war die Frage, wie das Caux-Netzwerk vermehrt gespeist und ausgeweitet werden könnte. Mike Smith, Leiter des Business-Programms von IofC Grossbritannien sagte hierzu: "Wir müssen auf eine Fortsetzung dieser Konferenz und der Werte, für die sie steht, hinwirken. Wir müssen einzelne Punkte verbinden und Menschen zusammen bringen. Lasst uns die Heiligen verbinden und die Sünder korrigieren, wobei wir nie vergessen sollten, dass in jedem von uns ein bisschen von beidem steckt.

Die beiden Sprecherinnen ermutigten die Teilnehmer, dieses neugefundene Netzwerk durch den Austausch von Ideen für zukünftige oder aktuelle Projekte, über Angebote für oder Nachfragen an andere Teilnehmer auf eine neue Ebene zu führen. Zahlreiche Projekte und Ideen wurden vorgestellt und eine Reihe neuer Möglichkeiten der Zusammenarbeit wurden in die Wege geleitet.

Jeremy Liyanage aus Melbourne beschrieb beispielsweise seine Bemühungen, sich bekämpfende Gruppierungen in der Stadt Mannar im Norden Sri Lankas durch seine Organisation Diaspora Lanka zu auszusöhnen. Er sagte: "Wir arbeiten zur Zeit an der friedlichen Rückführung nach Mannar von muslimischen Flüchtlingen, die durch Auseinandersetzungen in der Gemeinde im letzten Jahrzehnt geflohen sind und jetzt voller Wut und Ablehnung zurückkehren. Wir versuchen verzweifelt, die Beziehungen zwischen Muslimen und Tamilen zu verändern und andauerndes Vertrauen aufzubauen. Es ist ein sehr herausforderndes Projekt, das viel Arbeit in vielerlei Beziehung erfordert. Was ich anbieten kann, ist ein Netzwerk und Wissen und Arbeit als Mentor für junge Menschen. Was ich brauche, sind finanzielle Unterstützung für Trainingsprogramme, Hilfe in der Planung und im Management."

Am Ende waren sich alle einig, dass der nächste Schritt die Herausforderung ist, wie Projekte, die von Caux inspiriert wurden, an nachfolgende Generationen weitergegeben werden können. Am Ende der Konferenz 2012 gingen viele Teilnehmer mit neuer Entschlossenheit nach Hause.