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Willemijn Lambert at the Women’s International  League for Peace and Freedom’s (WILPF) 100th Anniversary Conference in The Hague.
Willemijn Lambert at the Women’s International  League for Peace and Freedom’s (WILPF) 100th Anniversary Conference in The Hague.

100 Jahre Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit - Jubiläumskonferenz in Den Haag

Donnerstag, 11. Juni 2015

100 Jahre Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) - Jubiläumskonferenz WILPF 100 in Den Haag: 1. Tag

Willemijn Lambert und Kate Monkhouse von Creators of Peace nahmen an der Konferenz anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) in Den Haag teil. Lesen Sie hier ihre Eindrücke vom ersten Konferenztag.

Madeleine Rees, Generalsekretärin von IFFF, eröffnete die Konferenz mit einer Übersicht zum Ansatz von IFFF zum Thema „Die Macht der Frauen, Krieg zu beenden“.

Sie hob drei Grundursachen gewaltsamer Konflikte hervor, um die Diskussionen anzuregen: 1. Unsere Weltwirtschaft, inklusive des Gebrauchs (bzw. Missbrauchs) von Macht und Justiz. 2. Militarismus und gewaltsame Männlichkeit sowie die (wiederkehrende) Bedrohung durch einen Atomkrieg und neue Technologien. 3. Die Teilnahme von Frauen innerhalb von Systemen und Prozessen, die auf dauerhaften Frieden hinarbeiten. Sie rief die Konferenzteilnehmerinnen auf, eine neue Bewegung für Wandel in der Zukunft anzusteuern.

Willemijn Lambert and Kate Monkhouse from Creators of Peace are participating in the Women’s International  League for Peace and Freedom’s (WILPF) 100th Anniversary Conference in The Hague.„Jede von uns muss ihren Beitrag leisten”, sagte sie angesichts von Themen wie Machtmissbrauch, Militäreinsätze, aus den Fugen geratener Kapitalismus und der zunehmenden Schädigung unserer Umwelt. In diesem Zuge erinnerte sie uns daran, dass wir als Frauen einer Mehrheit angehörten, da es mehr Menschen auf der Erde gäbe, die sich Frieden wünschten als die, die Krieg wollten. Bei der Frage, wie wir alle etwas für den Frieden tun können, zitierte Rees ihre achtjährige Tochter, die nach einer vor kurzem geschehenen Tragödie sagte: „Aber sie hätten sich doch nicht alle gegenseitig umbringen müssen, Mami. Sie hätten einfach miteinander reden sollen“.

Als nächste Rednerin war die Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee an der Reihe. Sie würdigte die Teilnahme von Menschen aus der ganzen Welt, voll bepackt mit ihrer Last auf der Suche nach Frieden. Wie bereits Madeleine Rees vor ihr, rief auch Gbowee zum Handeln auf. Sie erzählte, in so vielen Situationen werde von der leidenden Bevölkerung gefragt: “Können die Frauen denn nicht etwas tun?” Können wir in Nigeria, im Südsudan, in Syrien, in Afghanistan, in… etwas ändern?  Können die Frauen aufstehen und handeln? Können wir Krieg zu einer Unmöglichkeit machen, in dieser Welt, in der wir leben?

Auf die anfängliche Begeisterung für Aktivismus folgte innerhalb der Diskussionsgruppen die Erschließung von Wegen zu permanentem Frieden. Den Vorsitz führten die Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams, Edith Ballantyne (Aktivistin seit 1941) und Amy Goodman von "Democracy Now". Besonders begeistert haben uns Ediths lebenslanges Engagement in der Friedensarbeit, die mittlerweile 93 Jahre alt ist. Auch die Ausführungen von Leymah Gbowee über die Taktiken, die die Frauenbewegung in Liberia zur Beendigung des Bürgerkriegs anwandte, waren äußerst inspirierend.

Für uns Friedensstifter war es interessant zu hören, dass deren Strategie darin lag, traumatisierten Frauen zunächst einen persönlichen Raum zu geben, um mit ihrem Schmerz umgehen zu lernen, bevor sie an ihrer Resozialisierung arbeiten konnten. Diese Möglichkeit für Frauen, ihre Wünsche auszudrücken – wie etwa das Erfüllen eines Traums oder das Sammeln von Erfahrungen – befähigte diese dazu, ihren Platz in der Öffentlichkeit einzufordern. Sie befassten sich auch wieder mit religiösen Schriften, um neue Erzählungen über die Rolle der Frau ausfindig zu machen. Es brauchte seine Zeit, bis sie sich organisieren und eine gemeinsame Bestimmung finden konnten. Eine dieser Bestimmungen war der Schritt in Bereiche, die vorher ausschließlich Männern vorenthalten waren. Nachdem ein Friedensvertrag geschlossen worden war, stellten sie einen einfachen Aktionsplan auf, so dass Frauen die Einsätze überwachen und, im Falle gebrochener Vereinbarungen, protestieren konnten. Danach stellten sie sicher, dass Frauen wahlberechtigt sind und vollständig am politischen Geschehen teilhaben würden. Gbowee hob hervor, wie wichtig es sei, hartnäckig und auf lokaler Ebene präsent zu sein, dabei immer ganz auf das Ziel fixiert. Dies ist ein tolles Beispiel für „Frieden in der Praxis“, ganz so, wie wir beim Creators of Peace-Kreis ermutigt werden, zu handeln. Es ist auch eine hohe Würdigung der Bedeutung von Rahmenbedingungen, in denen Frauen als Grundlage für spätere Überzeugungsarbeit ihre Geschichten austauschen und Wege zur Heilung finden können.

Der Rest des Tages bestand aus der Teilnahme an Workshops, die sich mit den Möglichkeiten zur Verdeutlichung menschlicher Sicherheitsbedürfnisse befassten, einem Film, der die Lebensgeschichten von Menschenrechtsverteidigern präsentierte, die trotz Bedrohungen ihre Arbeit weiterführen und einer Debatte über Gender, in der Männlichkeit mittels neuer Formen zur Beschäftigung mit Männern thematisiert wurde. Wir beendeten unseren Tag mit einer Podiumsdiskussion, die das Thema Macht analysierte und zu einigen leidenschaftlichen Aufrufen an die Konferenz führte, in gegenwärtigen eskalierenden Konfliktsituation zu Handeln aufzufordern.

Lesen Sie hier den Blog vom 2. Konferenztag
Lesen Sie hier den Blog vom 3. Konferenztag

Übersetzung: Judith Schmidt