Menschen - Geschichten - Berichte

Photo by: Amber Bracken

Rassismus und Proteste in Kanada

Trustbuilding-Programm

Dienstag, 7. April 2020

 

Jedes der Projektteams des Trustbuilding-Programms zum Aufbau von Vertrauen befasst sich mit Problemstellungen, die die Menschen vor Ort betreffen und passt seine Strategien an den lokalen Kontext an. Diese Themen sind nicht statisch und werden stark von aktuellen Ereignissen beeinflusst. Daher befasste sich das kanadische Team zu Beginn des Jahres mit dem Thema Rassendiskriminierung.


Schiesserei in der Moschee von Quebec City

Der breitere Kontext des Projekts des Trustbuilding-Programms in Kanada umfasst das Gedenken an die Schiesserei in der Moschee von Quebec City, bei der am 29. Januar 2017 sechs Menschen während des Gebets erschossen wurden. Dies deutete auf eine islamfeindliche Tat hin und spiegelt die fortwährenden Schwierigkeiten muslimischer Bürgerinnen und Bürger wider, als Teil der französisch-kanadischen Mehrheit in Quebec behandelt zu werden. Das kürzlich verabschiedete Gesetz, welches das Tragen religiöser Zeichen durch Beamtinnen, Beamte, Lehrerinnen, Lehre und Angestellte in öffentlichen Einrichtungen verbietet, ist ein weiterer Fall, der die Spaltungen durch die gegenwärtige Regierung, die Medien und andere Institutionen noch verschärft.

Kürzlich wurden Berichte über rassistische Profilerstellung durch die Polizei veröffentlicht, die unterstreichen, dass nach wie vor überwiegend afroamerikanische, arabische und indigene Bürgerinnen und Bürger ins Visier genommen werden. Auch die Inhaftierungsstatistiken spiegeln diese Diskriminierung wider: Indigene Insassen machen fast 30% aller Inhaftierten aus, während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nur 3% - 5% beträgt.


Pipelines durch indigene Gebiete

Im Februar führte die Entscheidung, eine Pipeline durch traditionelle Wet'suwet'en-Territorien verlaufen zu lassen, zu Protest-Blockaden des Baugeländes sowohl verschiedener Eisenbahnlinien im ganzen Land, da sich andere indigene Nationen und Siedlerinnen und Siedler solidarisch zeigten. Solidaritätsproteste sind an verschiedenen Orten immer noch im Gange.

Ein weiteres Pipeline-Projekt im Osten Kanadas stösst in Quebec auf den Widerstand sowohl der Ureinwohner als auch der Siedlerinnen und Siedler. Dies wirkt sich auf die Art und Weise aus, wie wir Diskussionen über Versöhnung gestalten, denn einer der populären Hashtags im Internet, insbesondere bei der jüngeren Generation indigener Aktivistinnen und Aktivisten, die sich in den letzten 10 bis 15 Jahren äusserst aktiv dafür eingesetzt haben, indigene Themen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, lautet #reconciliationisdead (Versöhnung ist tot). Dies ist wichtig und es bleibt abzuwarten, wie sich dies in den kommenden Jahren auf Kanada auswirken wird. Die jüngere Generation unter der Siedlerbevölkerung scheint für diese Blockaden sensibler zu sein und sie zu unterstützen, da sie darin auch ein Umweltproblem sehen. Sie bringt also auch eine Kluft zwischen den Generationen ans Licht. Gegenwärtig unterstützen 40% der kanadischen Gesamtbevölkerung die Forderungen der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner.

 

Photo by: Amber Bracken

 

Zeitplan für das Projekt des Trustbuilding-Programms in Kanada

Im Lichte der aktuellen Ereignisse agiert das Projekt des kanadischen Trustbuilding-Programms zu einem Schlüsselmoment in der Geschichte Kanadas und Quebecs. Die Gespräche, die bereits begonnen haben, und die Trainingsprogramme (deren erster Teil im März stattgefunden hat) sind eine Reaktion auf die Notwendigkeit, tieferes Verständnis und bessere Methoden zu entwickeln, um Raum für diese Gespräche zu schaffen, damit sie in der gesamten Gesellschaft stattfinden können.

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Das Trustbuilding-Programm befasst sich international und national mit Konfliktthemen. Voraussetzung ist hierbei die Überzeugung, dass nur Menschen, die sich persönlich mit dem Aufbau von Vertrauen auseinandergesetzt haben, weltweit Spaltungen überwinden können. Das Programm wurde 2019 in Kenia, Kanada und Frankreich von Initiativen der Veränderung ins Leben gerufen.

 

Fotos: Amber Bracken