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Mammo Wudneh - ein wahrer Pan-Afrikaner

Montag, 5. März 2012

Mamo Wudineh

Der bekannte Historiker, Journalist und Autor Mammo Wudneh, Mitglied und Freund von IofC Äthiopien, starb am 2. März 2012 im Alter von 77 Jahren. Er wurde am folgenden Tag in Addis Abbeba/Äthiopien begraben.

Mammo Wudneh veröffentlichte 53 Bücher und 8 Theatherstücke in Amharic (Original und Übersetzungen). Im Alter von 15 Jahren kam er in die erste Klasse, konnte jedoch durch seine Armut die High School nicht beenden. Er arbeitete danach bei verschiedenen Zeitungen in Addis Abbeba und Asmara und war mehr als 54 Jahre als Schriftsteller tätig. Mammo war seit den 1960er Jahren ein bedeutendes Mitglied und eine Führungspersönlichkeit bei Initiatives of Change Äthiopien und hat sich aktiv an den Friedensinitiativen in Äthiopien und dem Horn von Afrika beteiligt.

Auszüge aus: "Vergebung: Die Ketten des Hasses durchbrechen (S. 104-106, Grosvenor Books/London) von Michael Henderson

"Mammo Wudneh ist der Präsident der äthiopischen Schriftsteller-Vereinigung und ein angesehener Historiker, von dem mehr als 40 Bücher gedruckt wurden. Er hat sich für eine Lösung der Spannungen und ein Ende der Kämpfe zwischen Äthiopien und Eriträa eingesetzt. 1998 sagte er bei einer Konferenz in Europa, es mache ihm Sorge, dass beide Seiten teure Waffen aus Osteuropa, Asien und vielleicht, wie er meinte, auch aus Westeuropa kauften. Er fürchtete, der Konflikt würde sich ausweiten, die Nachbarländer in Mitleidenschaft ziehen und dadurch die Stabilität des Horn von Afrika gefährden: "Es ist sehr schade, dass während wir hier zusammen sind, um die besten Möglichkeiten für den Frieden zu finde, zwei Länder, die auf viele Art und Weisen Schwestern sind, sich mitten in den Spannungen eines Konflikts befinden. Wann werden die Menschen lernen, dass Gewalt keine Lösung ist und nie sein wird? Sind so viele Menschenleben, die in einem Krieg leicht vergeudet werden, nicht wichtiger als eine Grenze? Bewaffnete Konflikte sind ein teuflisches Potential, das zahllose Menschen töten, verstümmeln, zu Waisen oder heimatlos mache könnte"

Wudineh rief die beiden Länder, und genauer gesehen alle Länder, die sich in Konfliktsituationen befinden, auf, jegliche Form der Feindseligkeit und Gewalt zu beenden. Er drängte die Anwesenden, ihre Länder in diese Anstrengungen für den Frieden einzubeziehen. Schon zwei Monate davor hatte Wudineh verschiedene Führungspersönlichkeiten religiöser Konfessionen seines Landes, Christen, Muslims und andere, zu einem glaubensübergreifenden Friedenstreffen unter der Leitung des Patriarchen der äthiopisch-orthodoxen Kirche versammelt. Er berichtete, ein permanenter Ausschuss bestehend aus diesen Anführeren sei eingerichtet worden und aktiv. Durch diese Initiativen und den Aufruf an die Welt baute Wudineh auf frühere Erfahrungen seines eigenen Lebens auf.

Während des 2. Weltkriegs wurden seine Eltern und Verwandten getötet worden, als die italienisch-faschistische Luftwaffe sein Dorf bombadierte. Dreissig Jahre später traf er einen alten Mann, der ihm stolz erzählte, er sei damals während der italienischen Besatzung von Eriträa Pilot gewesen und hätte Wudinehs Dorf bombadiert. Wudineh sagte, er hätte gezittert und sei wütend geworden und in sein Zimmer gegangen, um eine Pistole zu holen und sich zu rächen. "Trotzdem zwang mich mein Gewissen, noch einmal darüber nachzudenken. Die Antwort war: Wenn ich den italienischen Faschisten tötete, wären meine Eltern und Verwandten noch am Leben? Zu einer Zeit, in der Menschen überall auf der Welt vergangene Missetaten vergeben und in Frieden mit Toleranz leben, wenn ich einen alten Mann tötete, würde das nicht bedeuten, ich würde den selben Fehler begehen wie Mussolini?"

Der äthiopische Schriftsteller dachte nach. Am nächsten Tag ging er zurück in die Bar, in der er den Piloten getroffen hatte und erzählte ihm seine Geschichte. "Er war geschockt, er zitterte, da er dachte, ich würde mich an ihm rächen. Ich sagte ihm, ich würde ihm vergeben. Ich habe ihm auch einen Kuss gegeben.", sagte Wudineh.

Wudineh ist ein mutiger Mann. Während der Regierungszeit von Kaiser Haile Selassie sprach er offen gegen die Politik, von der er das Gefühl hatte, sie sei falsch. Im Bürgerkrieg zwischen Äthiopien und Eriträa riskierte er für die äthiopisch-eriträischen Beziehungen sein Leben. Und 1987, als Diktator Mengistu Haile Marian die Staatsoberhäupter mehrerer afrikanischer Länder einlud, an seinem Parteikongress teilzunehmen, stand Wudineh auf und stellte sich gegen ihn. Als der Schriftsteller sich wieder hinsetzte, stand der Präsident von Sambia, Kenneth Kaunda, auf und sagte: "Dieser Mann spricht in einem wahrhaft panafrikanischen Geist und für unsere kommenden Generationen."

Im "For a Change"-Magazin finden Sie den Artikel über Mammo Wudneh: "Sie sind also derjenige, der mein Dorf zerstört hat!"