Unsichtbare Gewalt - sichtbarer Schaden

Wimarshana Ranasinghe and her husband Shashika D’Silva

Unsichtbare Gewalt - sichtbarer Schaden

Von Wimarshana Ranasinghe / Sri Lanka

Donnerstag, 28. Mai 2020


Wimarshana Ranasinghe und ihr Ehemann Shashika D'Silva setzen sich dafür ein, die Wunden des Krieges in Sri Lanka zu heilen und möchten den zerstrittenen Gemeinschaften des Landes helfen, Vertrauen zu einander aufzubauen.

Nach 30 Jahren des Konflikts in unserem Land befinden wir uns in einer Phase, in der es keine sichtbare Gewalt gibt. Aber die eigentlichen Ursachen des Konflikts bestehen nach wie vor. Mein Mann Shashi und ich gehören der Mehrheitsgemeinschaft an und wir haben das Gefühl, dass unsere Gemeinschaft anderen Gemeinschaften das Gefühl gegeben hat, geringer zu sein als wir. Es liegt in unserer Verantwortung, Vertrauen zu ihnen aufzubauen.

Wir haben Gesprächskreise, Friedenskreise und interreligiöse Dialoge abgehalten. Während einiger dieser Veranstaltungen hat sich mein Mann Shashi bei den Tamilen für das entschuldigt, was die singhalesische Regierung ihnen angetan hat. Es ist nicht leicht, Verantwortung für das zu übernehmen, was man nicht getan hat, für Dinge, die schon vor der eigenen Geburt geschehen sind.

Dann wurde unser Land im vergangenen Jahr durch die Bombenanschläge vom Ostersonntag erneut erschüttert.

Wir waren entmutigt. Wir hatten gerade einen Bürgerkrieg überstanden und jetzt waren wir wieder gespalten. So gespalten, dass, wenn Buddha heute Sri Lanka besuchen und sprechen würde, er als einer der vielen NRO-Mitarbeiter abgetan würde, der versucht, eine europäische Geheimagenda umzusetzen.

Wir waren entschlossen, trotsdem geeint zu bleiben. Wir mussten mehr tun, um eine Verbindung zu anderen aufzubauen, damit sie wissen, dass wir für sie da sind, was auch immer geschieht.

Wann immer ich mit anderen Gemeinschaften in Kontakt komme, sind sie neugierig auf meine ethnische Herkunft und meine Religion. Nachdem sie mir zugehört haben, fühlen sie sich in der Lage, über ihren Schmerz und die Wunden, die sie tragen, zu sprechen. So ist eine tiefe Freundschaft gewachsen. Als Shashi und ich heirateten, war es eine große Freude zu sehen, wie einige unserer tamilischen Freundinnen und Freunde ihre erste singhalesische Hochzeit erlebten.

Die Grundlagen von Vertrauen sind Verantwortlichkeit, Integrität und Verwundbarkeit. Wie sehr sind wir bereit, vor anderen Gemeinschaften verwundbar zu sein, darüber zu sprechen, was verbessert werden kann, was verändert werden muss, da Singhalesen, Tamilen und Muslime immer noch nicht das Gefühl haben, dass wir als Sri Lankaner eine Gemeinschaft sind?

Wir werden die Hoffnung nicht verlieren. Was auch immer wir bislang getan haben, wir werden es weiterhin tun, bis wir eines Tages sagen können, dass nicht nur Sri Lanka, sondern die Welt eine einzige Familie ist. Buddha sagte: 'Visvasa Parama Ghathi' oder 'Vertrauen ist die beste Verwandtschaft'. Wir sind alle miteinander verwandt und suchen die gleiche Wahrheit.

 


Wimarshana Ranasinghe

Wimarshana Ranasinghe ist Friedensstifterin und Facilitatorin und wurde 2020 mit den Ideen von Initiativen der Veränderung vertraut gemacht. In den letzten sieben Jahren war sie an verschiedenen Programmen von IofC Indien und Sri Lanka beteiligt und war Teil des dreijährigen Outreach-Programms Initiatives of Change for Life (IfL). Sie ist zertifizierte Ausbilderin von "Creators of Peace" und arbeitet als Vermittlerin und Moderatorin bei Friedensprogrammen und Initiativen für gewaltfreie Kommunikation.