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Wie hat COVID-19 unser Vertrauen beeinflusst?

Von Manon Michelle Monhemius

Dienstag, 19. Mai 2020

 

Während der gesamten COVID-19-Krise habe ich verschiedene Geschichten darüber gehört und gelesen, wie die Pandemie unser Vertrauen beeinflusst: Vertrauen ineinander, Vertrauen in Institutionen und Vertrauen in die Medien. Während manche Studien zeigen, dass das Vertrauen in die Regierung und die Medien gestiegen ist, scheint das Vertrauen der Menschen untereinander zusammenzubrechen. Was geschieht hier?

 

Vertrauen in Institutionen

Verschiedene Studien zeigen, dass in mehreren Ländern das Vertrauen in die Regierung gestiegen ist. Einige sagen, es sei sogar auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Wenn wir uns in einem Zustand der Angst befinden, verlassen wir uns dann mehr darauf, dass unsere Regierungen die Führung übernehmen und uns sagen, was richtig ist? Ein Bericht auf der Grundlage verschiedener Studien, die im Laufe der Jahre zum Thema Vertrauen durchgeführt wurden, zeigt, dass in verschiedenen Krisensituationen, wie z.B. nach dem 11. September, das Vertrauen in die Regierungen sprunghaft angestiegen ist. Er zeigt aber auch, dass es ein Jahr nach der Krise wieder abstürzt. Wird dasselbe mit der Zunahme jenes Vertrauens geschehen, die wir jetzt in Zeiten der COVID-19-Krise erleben?

Ein Artikel von Uyên Lu, Kommunikationskoordinatorin bei Initiativen der Veränderung Niederlande, spricht über "unsere zerbrechliche Freiheit", über die auch ich mir Gedanken gemacht habe. Haben wir im Moment zu viel Vertrauen in die Regierung? Uyên Lu, die vor 40 Jahren als vietnamesischer Flüchtling in die Niederlande kam, erzählte, wie vorsichtig sie mit dem Einfluss Chinas umgeht und wie sie zahlreiche Berichte studiert hat, aus denen hervorgeht, dass "Ärztinnen und Ärzte in China zum Schweigen gebracht wurden, als sie die Welt vor dem Coronavirus warnen wollten". Sie stellt auch fest, dass "Human Rights Watch auf grobe Verletzung der Menschenrechte innerhalb Chinas im Zusammenhang mit dem Virus aufmerksam machte".

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Vertrauen in andere Menschen

Während unser Vertrauen in die Regierung gestiegen ist, bricht andernorts das Vertrauen zwischen den Menschen zusammen. So gab es zum Beispiel in letzter Zeit schwere Diskriminierung und Hassverbrechen gegen Chinesinnen und Chinesen. In Indien werden Musliminnen und Muslime für die Verbreitung von COVID-19 verantwortlich gemacht. Viele Hindus sagen, diese hätten absichtlich versucht das Coronavirus zu verbreiten, um einen heiligen Krieg oder Dschihad gegen die Mehrheit der Hindus zu führen, so Zainab Sikander, politischer Kommentator mit Sitz in Neu-Delhi. Eine solche Bigotterie hat sich nicht nur normalisiert, sondern wurde auch durch die Propaganda der Regierungspartei gefördert und ist ein herzzerreissendes Beispiel dafür, wie Angst dazu benutzt wird, das Vertrauen zwischen Gemeinschaften zu brechen.

 

Kann Vertrauensverlust Gutes bewirken?

Mangelndes Vertrauen scheint aber auch Vorteile zu haben, wenn es um die öffentliche Gesundheit geht. In Rumänien zum Beispiel, wo es eine strenge Ausgangssperre gibt, nehmen die Menschen die soziale Distanz ernst. Die Menschen haben wenig Vertrauen in das Gesundheitssystem ihres Landes und glauben nicht, dass sie im Falle einer Infektion behandelt würden. Deshalb ziehen sie es vor, alle Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit ernst zu nehmen. In den Niederlanden hingegen halten sich die meisten Menschen an die Richtlinien der "intelligenten Abriegelung". Die niederländische COVID-19-Sterblichkeitsrate ist jedoch viel höher als in den Nachbarländern, wie z.B. in Deutschland. Die weniger strengen Sperrmassnahmen in Verbindung mit einer stärkeren Wirtschaft haben den Niederländern möglicherweise ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt.

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Verwirrt, aber motiviert

Möglicherweise fühlen Sie sich in den letzten Monaten wie ich: sowohl verwirrt als auch motiviert durch all die sehr unterschiedlichen und oft widersprüchlichen Geschichten, die wir aus aller Welt hören. Verwirrt, weil ich mir nicht mehr sicher bin, was ich glauben soll. Und dennoch motiviert, mehr Energie darauf zu verwenden, das Vertrauen zwischen den Menschen wiederherzustellen. Ich glaube, dass die Arbeit des Trustbuilding-Programms durch die Ungleichheiten, die wir derzeit erleben, jetzt vielleicht noch wichtiger ist als zuvor.

Wie hat sich COVID-19 auf IHR Vertrauen ausgewirkt? Als Kommunikationsbeauftragte des Trustbuilding-Programms sammle ich Geschichten aus aller Welt über dieses Thema. Die aktuelle Pandemie hat weltweit Spaltungen vergrössert. Doch wenn wir zusammenarbeiten, können wir Vertrauen in unserem Umfeld wiederherstellen. Bitte schicken Sie mir Ihre Geschichte hier.

 

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Das Trustbuilding-Programm befasst sich international und national mit Konfliktthemen. Voraussetzung ist hierbei die Überzeugung, dass nur Menschen, die sich persönlich mit dem Aufbau von Vertrauen auseinandergesetzt haben, weltweit Spaltungen überwinden können. Das Programm wurde 2019 in Kenia, Kanada und Frankreich von Initiativen der Veränderung ins Leben gerufen.