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Beverly Almond – Abenteurerin ohne Alterslimit

Wednesday, 2. March 2016

Beverly Almond – Abenteurerin ohne Alterslimit

Michael Henderson bespricht Anne Hamlins Buch über ihre Mutter Beverly Almond

Beverly Almond – an Ageless AdventurerWie es sich für ein langes und mutiges Leben gehört, deckt das Buch "Beverly Almond - Abenteurerin ohne Alterslimit" viele Bereiche ab. Ihr Gedächtnis ist nach wie vor erstaunlich und ihre Tochter Anne Hamlin hatte eine faszinierende Vielfalt an Einzelheiten zur Auswahl, als sie sich an das Schreiben der Biographie machte.

Sie beschreibt die Kinder- und Jugendzeit ihrer Mutter und deren Einsatz im Geheimdienst während des Zweiten Weltkriegs, spricht ausserdem von ihren Zweifeln am Glauben und ihrem Engagement für die Länder des Mittleren Osten. Sechzig Jahre ihres spannenden Lebens teilte sie mit ihrem Mann, dem Pfarrer Harry Almond.

Bev stammte aus einer wohlhabenden Familie, die tief mit der amerikanischen Geschichte verwurzelt war. Die Kitchens und Rodmans, ihre Vorfahren auf beiden Seiten des Familienstammbaums, waren weisse anglosaxonische Protestanten und wahre sogenannte "WASPS". Die Rodman-Seite der Familie stammt von Mayflower-Pilgern ab und verschiedene Familienmitglieder beider Seiten kämpften in der Amerikanischen Revolution mit. Damit gilt Beverly als DAR (= Daughter of the American Revolution, übersetzt: Tochter der Amerikanischen Revolution).

Ihre Eltern waren schon früh Anhänger der Oxford-Gruppe, jetzt Initiativen der Veränderung genannt. Ihr Vater Vic Kitchen beschrieb in dem bekannten Buch "Ich war ein Heide" die Auswirkungen der Oxford-Gruppe auf sein Leben. Er war einer der Pioniere der Bewegung der Anonymen Alkoholiker. 1934 beschlossen ihre Eltern, vollzeitlich für die Oxford-Gruppe zu arbeiten. Ihr Vater war Werbefachmann und veröffentlichte prägnante Sprüche und gute Ratschläge, die er "Zeitbomben" nannte. Eine davon lautet: "Wenn sich Ihre Kinder als verdorbene Eier herausstellen, haben Sie vielleicht zu lange auf ihnen gesessen!"

Nach dem Angriff auf die Vereinten Staaten 1941 suchte Beverly das Abenteuer und ging nach Washington DC, um sich für ihr Land einzusetzen. Sie arbeitete für das Rote Kreuz, langweilte sich jedoch bald. Ihr Onkel wusste dies und da er im Geheimdienst des Militärs tätig war, fragte er sie, ob sie nicht für den Pentagon arbeiten wolle. Er sprach mit dem verantwortlichen Colonel und bürgte für sie. Und so begann Beverly ein Leben, von dem niemand etwas wusste und das noch andauerte sollte, als der Krieg bereits vorüber war.

Anne beschreibt, wie ihre Mutter keine Sekunde zögerte, als sie 1943 gebeten wurde, zu einem Zeitpunkt den Atlantik zu überqueren, als die Alliierten die meisten Verluste zu See verzeichnen mussten und Grossbritannien bombardiert wurde. Sie wurde Sekretärin eines hochrangigen Offiziers an einem Ort, den wir durch Filme und viele Bücher kennen: Bletchley Park. Dieses Buch erlaubt uns neue Einblicke in Bletchley Park. Die Wahrheit kam erst ans Licht, als ihr Schwiegersohn Bryan ein Buch darüber las. Bei einem Besuch bei Beverly konnte ich den Beweis ihrer Leistungen in einem Dokument sehen, das sie von der britischen Regierung erhalten hatte. Ihr Name ist ausserdem auf der Ehrentafel in Bletchley Park vermerkt.

Beverly AlmondWährend dieser Reise nach England begann ein weiteres ungewöhnliches Kapitel ihres Lebens. Auf dem neutralen Schiff befand sich auch der junge Harry Almond, der sich auf seinem Weg in den Mittleren Osten befand, um dort als Missionar zu arbeiten Sie spielte Tischtennis, als er fragte, ob er bei einem Doppelspiel mitmachen könne. Bevor sie Europa erreichten, waren sie verlobt! Sie trennten sich in Portugal und während sie nach England fuhr, reiste er um Cap Horn nach Basra weiter. Sie trafen sich erst drei Jahre später wieder. Es war Krieg, doch anschliessend waren sie 61 Jahren lange verheiratet. Sie feierten ihre Goldene Hochzeit mit einem Tischtennis-Spiel!

Ich möchte hier nicht ausfürhlich die Abenteuer der Familie im Mittleren Osten aufführen, wo ihre Kinder aufwuchsen oder ihre Arbeit im und durch das Konferenzzentrum in Caux (dem Konferenzzentrum von Initiativen der Veränderung in der Schweiz), auch nicht, wie stolz sie auf ihre Kinder, Enkel und Urenkel ist und das flotte Tempo, das sie auch mit über 90 noch vorlegt oder ihr Engagement in ihrem Dorf in Massachusetts. Sie wird damit aufgezogen, dass sie mit ihren vielen Briefen, die sie rund um die Welt verschickt, ganz alleine den US-Postdienst am Laufen hält.

Sie ist immer noch mutig. Einmal rief sie ihre Familie an und sagte: "Ich hatte gerade eine der wundervollsten Erfahrungen meines Lebens." Sie erzählte ihrem Schwiegersohn Bryan, sie hätte draussen Tee getrunken und ein schwarzer Bär sei auf ihrer Terrasse direkt an ihr vorbeigelaufen, um ihren Stuhl herumgegangen und hätte sich zu ihrem Ärger über ihr Vogelfutter hergemacht. Während sie noch redeten, sagte Bev:" Oh, er kommt zurück!" Bryan versicherte sich schnell, dass sie sicher im Haus war. Doch was ihn am meisten an der Unterhaltung erstaunt hatte, war dass "ihre Reaktion keine Angst zeigte, sondern nur reine Freunde und Staunen."

Dieses Buch liest sich gut, macht Spass und gibt gleichzeitig, vollgepackt mit persönlichen Erlebnissen und Humor, einen Einblick in die Geschichte und das Spektrum der Arbeit von Initiativen der Veränderung.

"Beverly Almond – an Ageless Adventurer", Herausgeber: Create Space.